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Donnerstag, 21. Mai 2015

Das Brandenburg-Projekt


Das ist das Brandenburg-Projekt

Das Brandenburg-Projekt hat sich das Ziel gesetzt, im Laufe von ca. zehn Jahren alle Reiseregionen des Landes Brandenburg mit einem eigenen Reiseführer auszustatten. Ist ein solcher Reiseführer erst einmal auf dem Markt, wird er stets aktualisiert und durch Neuauflagen (fast) permanent vorrätig gehalten. Die Reiseführer umfassen mindestens 200 Seiten und es ist geplant, pro Jahr einen weiteren folgen zu lassen. Derzeit richtet der Verlag sein Hauptaugenmwerk auf den Norden Brandenburgs.

Der Berliner Verlag Terra Press startete das Brandenburg-Projekt 2011 mit einem Reiseführer über die Uckermark, Brandenburgs größten und am dünnsten besiedelten Landkreis. Er hieß „Uckermark. Ein Wegbegleiter“ und erschien unter dem Verlagslabel „Edition Terra“. Ein Jahr später folgte die zweite Auflage und 2014 eine um 40 Seiten erweiterte dritte Auflage.

Die nächste Ausgebe wurde 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt. Ihr Titel: „Havelland. Ein Wegbegleiter“. Die Nachfrage war hier besonders groß, zumal das Havelland zu den beliebtesten Ausflugszielen der Berliner gehört. Bereits die erste Auflage hatte 260 Seiten. Die enthaltenen Karten erhielten durch Einklappseiten ein deutlich größeres Format. „Havelland. Ein Wegbegleiter“ war der erste Reiseführer zu einem brandenburgischen Thema, der auch als Ebook in den Handel kam. Anfang 2015 war die erste Auflage fast vollständig verkauft. Die zweite kam 58 Tage vor der Eröffnung der Bundesgartenschau 2015 in der Havelregion aus der Druckerei und enthält zusätzlich 13 Seiten exklusiv zur BUGA 2015.

2014 erschien im Rahmen des Brandenburg-Projektes „Barnim. Ein Wegbegleiter“. Obwohl es das bisher kleinste Reisegebiet ist, hat auch dieser Band 260 Seiten. Er handelt von einer Region, die zwar in Teilen deutschlandweite Bekanntheit besitzt – z.B. die Schorfheide, der Werbellinsee, Kloster Chorin – aber als Ganzes noch keine ausgeprägte Marke darstellt.

Im Sommer 2016 gesellte sich "Die Prignitz". Ein Wegbegleiter" zu den Brandenburg-Reiseführern hinzu. Er behandelt die Prignitz in ihrer historischen Ausdehnung, vereinigt also den Landkreis Prignitz mit dem westlichen Teil des Landkreises Ostprignitz-Ruppun. Er folgt der Havel, der Elbe, der Stepenitz und der Dosse durch den Nordwesten Brandenburgs. Roter Faden sind die thematischen Radwege durch die Region und das Knotenpunktsystem, das Radtouristen dazu einlädt, sich ihre eigene Tour zu basteln. Havelberg, Wittenberge, Perleberg, Pritzwalk und Wittstock werden anhand von Stadtrundgängen vorgestellt.





 Und so regaieren die Leser:

Auszüge aus Leserrezensionen bei amazon:

Uckermark:
Eine sehr informative und kurzweilige Darstellung der schönen Region Uckermark. Es sind viele Anregungen und Tipps für Unternehmungen in der Region enthalten.

Der Wegbegleiter ist nicht nur für Touristen super geeignet, sondern hat auch mich als Uckermärkerin sehr angesprochen. ...Wen es also aus vielen guten Gründen in die Uckermark verschlägt, dem empfehle ich diesen Wegbegleiter im Gepäck zu haben.

Barnim
Wie auch schon der Wegbegleiter "Uckermark" ein Büchlein, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt, um sich für seine Ausflüge inspirieren zu lassen. Ich hoffe auf ähnliche Bücher der Reihe auch für andere Gegenden.

Havelland
Schönes übersichtliches Buch, wird als Geschenk verwendet und kam gut an.

Es macht Spaß darin zu lesen, nicht zuletzt wegen des angenehmen Plaudertons des Autors, der so gut wie alle bemerkenswerte Plätze, selbst in den kleinsten Orten, vorstellt. Ich freu mich deshalb schon sehr auf meinen Urlaub mit Rad im Mai diesen Jahres im Havelland, denn das Buch hat jetzt noch mehr Appetit darauf gemacht!

Potsdam
Dieser Reiseführer ist für Potsdam ein Muß. Es gibt zwar noch umfangreichere aber er bietet allle wichtigen Informationen. Kann ich nur weiterempfehlen.

Der Stadtführer gibt kurz und knapp gute Informationen zu einzelnen Themen/Aspekten und macht sinnvolle Routenvorschläge. Er war mir ein hiflreicher Führer bei einem gelungenen Potsdam-Aufenthalt.

Für den Aufenthalt in Potsdam ist dieser Stadtführer genau richtig. Die Tips sind ideal für die Planung von Tagesausflügen vor Ort.
Ich kann ihn empfehlen.

Habe gleich einen weiteren für meine Bekannte in Potsdam besorgt; auch diese ist davon begeistert. Weil er sehr handlich ist, kann er bequem unterwegs mitgenommen werden. .

Dieser Führer ist hervorragend aufgebaut, er enthält einmalige Tipps für Routen in und um Potsdam und er wartet mit sehr viel Hintergrundinformationen auf. Absolut empfehlenswert!

Das Büchlein ist sehr besucherfreundlich gestaltet und so habe ich immer den richtigen Bus und die richtige Straßenbahn gefunden.

 



Reiseführer über eine Gegend, die nur 100 km von der Zielgruppe entfernt liegt.  Warum Bücher über Teile von Brandenburg? Schon mal 5 Antworten


1. Weil es zahlreiche Reiseführer für das  gesamte Land Brandenburg gibt. Wer sich hier auskennt, wird aber  schnell bemerken, wie viel Interessantes und Erlebenswertes darin nicht enthalten ist - nicht enthalten sein kann, weil es viel zu viel ist. Also: Aufteilung.

2. Unterhalb des Daches "Brandenburg" existieren bereits seit Jahrzehnten einige Marken , die deutschlandweit als Reiseziele bekannt sind: Potsdam, Spreewald; mit etwas Abstand folgen Havelland, Uckermark, Ruppiner Seenland, die Lausitz. Als Landschaft, aber noch nicht genügend als Reiseregion mögen noch die Prignitz, der Fläming, das Oderland und der Barnim gelten. Reiseführer können helfen, diese Marken in touristischer Richtung zu stärken.

3. Brandenburg bietet für die Berliner im Umkreis von ca. 150 km eine solche Fülle an Ausflugsmöglichkeiten, dass eine Übersicht schwerfällt. Gerade für Neuberliner können derartige Reiseführer helfen, die Angebote einzuordnen, zu sortieren und auszuwählen. 

4. Für die Bewohner der jeweiligen Reiseführer kann ein solches Buch dazu beitragen, das Heimatgefühl zu stärken, die eigene  Identität zu entwickeln, sich als Gastgeber zu fühlen.  Das wiederum kommt direkt der Entwicklung des Tourismus zugute.

5. Die Hauptzielgruppe der Reiseführer über brandenburgische Regionen mögen die Berliner sein. Die Verbreitung der Bücher erfolgt jedoch deutschlandweit - durch Direktbestellung von Buchhändlern, vor allem aber über die bekannten Grossisten. Der Verkaufserfolg der einzelnen Titel zeigt sich aktuell in den Verkaufsrängen des Internet-Anbieters "amazon".




Interview mit dem Autor von „Havelland. Ein Wegbegleiter", Joachim Nölte

Knapp zwei Monate vor der Eröffnung der Bundesgartenschau 2015 in der Havelregion erschien die zweit Auflage von "Havelland. Ein Wegbegleiter". Der Buchtitel lässt keinen Zweifel aufkommen, dass die BUGA in diesem Reiseführer eine wichtige Rolle spielt.

Das Titelbild zeigt die Weinbergbrücke in Rathenow. Warum keine Blumen, das wäre doch viel typischer für die BUGA?

Weil es bei dieser BUGA vorrangig nicht um Blumenbeete und Kleingärten geht, sondern um eine ganze Landschaft am Unterlauf der Havel mit den Städten darin. Brücken spielen dabei  im buchstäblichen und im übertragenen Sinne eine wichtige Rolle. Die Weinbergbrücke wurde anlässlich der BUGA errichtet, aber sie wird noch Rathenower Stadtteile miteinander verbinden, wenn auch die letzte BUGA-Blume verblüht ist.

Entstand der Reiseführer im Auftrag der BUGA?

Er entstand weder im Auftrag, noch mit finanzieller Unterstützung der BUGA. Wir sind dem BUGA-Zweckverband dankbar, dass wir die Karten der fünf BUGA-Standorte kostenlos nutzen können.

Aber wie passt ein solch relativ kurzzeitiges Ereignis in das über Jahre angelegt Brandenburg-Projekt?

All die einzelnen Reiseführer des Brandenburg-Projektes können ihr Eigenleben entwickeln. Zwar sind Konzept und Ausstattung weitgehend identisch - alles andere aber hängt von der jeweiligen Region ab. Da wir den Leserzuspruch nur begrenzt steuern können, sind auch Nachauflagen nicht exakt zu planen. Im Fall des Havellandes hatten wir viel Glück: Als die zweite Auflage kam, war die erste bis auf wenige Restexemplare vergriffen.

Als die erste Auflage im Herbst 2013 erschien, wird ja wohl die BUGA bereits eine Rolle gespielt haben?

Selbstverständlich. Erstens gab es bereits zwei Seiten über die Gartenschau und im Buch waren alle BUGA-Standorte speziell gekennzeichnet. Jetzt widmen sich über ein Dutzend Seiten der BUGA.

Also ist die zweite Auflage dicker?

Wir wollten die Seitenzahl stabil halten. 270 Seiten sind meiner Meinung nach schon die Grenze des Zumutbaren für einen Reiseführer über ein nicht allzu großes Gebiet. Daher haben wir von Anfang an Inhalte eingeplant, die in der BUGA-Ausgabe ausgetauscht werden konnten. Es handelt sich dabei um Erlebnisberichte, die inhaltlich keine Lücken reißen.

Was sagt Ihr Reiseführer über die BUGA aus?

Über das Ereignis selbst sagt er nicht mehr aus, als es die offiziellen Flyer und Broschüren der BUGA ohnehin tun. Wir möchten allerdings, dass unsere Leser rundum informiert werden - zum Beispiel auch über die Termine der Hallenschauen in Brandenburg an der Havel und in Havelberg. Der Wert des Reiseführers setzt allerdings vor allem dort ein, wo die BUGA-Schriften aufhören - bei der eingehenden Beschreibung der Landschaften und der Orte.

Sie haben also Ihrem Reiseführer eine Aktualität verpasst, die im Verlauf der BUGA schwindet?

So ist es. Wir hoffen darauf, dass sich die zweite Auflage während der BUGA verkauft und bauen dabei auf die Unterstützung des BUGA-Managements. Der Wert des Buches als "Wegbegleiter" durch das Havelland bleibt allerdings noch lange erhalten.

Interview mit dem Autor von „Barnim. Ein Wegbegleiter“, Joachim Nölte


Ihr soeben erschienener Barnim-Reiseführer enthält eine Doppelseite über das Freilichtmuseum Altranft. Ist Ihnen vielleicht entgangen, dass es demnächst schließen muss?

Keinesfalls. Wir wollten mit der Aufnahme des Museums zeigen, dass es für die kulturelle Identität des Oderlandes eine wichtige Rolle spielt. Vielleicht können wir helfen, dass es sich die Verantwortlichen noch einmal überlegen. Außerdem wurde dem Museum eine Gnadenfrist für 2015 gegeben. Und in diesem Zeitraum sollte unsere erste Auflage weitgehend verkauft sein.

Ihr Reiseführer beginnt ausgerechnet mit den Rieselfeldern von Hobrechtsfelde?!

Was ist gegen die Rieselfelder zu sagen? Eine innigere Verbindung zwischen Berlin und seinem Umland ist ja wohl kaum vorstellbar. Übrigens erfüllen die Rieselfelder schon lange nicht mehr ihren ursprünglichen Zweck und sind zu einer der spektakulärsten Landschaften in Brandenburg geworden. Hier kann man erleben, wie sich die Natur ihr Reich zurückerobert.

Hätte es nicht mehr Spaß gemacht, einen Reiseführer über, sagen wir mal, Mauritius zu schreiben?

Auf jeden Fall wäre es dort sonniger gewesen mit Exotik, wohin das Auge blickt. Im Barnim ging es darum, Bekanntes mit anderen Augen zu sehen und zu beschreiben. Natürlich bin ich dabei auch auf für mich Unbekanntes gestoßen. Ich bin oft ins Staunen geraten. Genau dieses Staunen möchte ich an die Leser weitergeben. Das ist es doch fast egal, ob wir auf Mauritius oder im Barnim sind.

Warum aber ausgerechnet Barnim?

Ein Buch über die Uckermark hatten wir bereits gemacht und gerade für die zweite Auflage überarbeitet. Über das Havelland auch. Wenn man auf der Landkarte einen Zirkel um Berlin schlägt, kommt man irgendwann im Barnim an.

Sie zielen also vor allem auf die Berliner?

Vor allem, aber nicht nur. In allen deutschen Großstädten gibt es Buchhandlungen, die ein großes Sortiment an Reiseliteratur führen. Dort sind wir vertreten. Auch dem Internet-Buchhandel stellen wir uns. Geben Sie bei amazon einfach den Namen eines dieser Reisegebiete ein und sie finden uns an erster Stelle. Wir können leider nicht erfahren, wohin diese Bücher gehen.

Wann soll man Ihre Wegbegleiter lesen?

Wie der Name „Wegbegleiter“ sagt: unterwegs. Aber vielleicht sind die Bücher dafür schon zu dick. Also sollte man schon vorher darin blättern. Und zum Nach-Lesen als Souvenir hinterher. Es ist also ein Buch für alle Fälle.

Warum berichten die Medien so sparsam über diese Neuerscheinung? Versenden Sie keine Rezensionsexemplare?

Oh doch. Ein guter Bekannter aus der Medienbranche sagte mir, vor Weihnachten dürfe man keine Rezensionsexemplare versenden. Die Gefahr, dass sie ungelesen auf einem Gabentisch landen, sei sehr groß. Da haben wir wohl einen Fehler gemacht. Aber irgendwer freut sich.

Und wie ist die Resonanz aus der Region?

Ich zitiere aus einem Brief von Dr. Bernd Hensch, Direktor des Zoos Eberswalde: "Ich bin begeistert, wie nett und niveauvoll Sie unseren Zoo in Text und Bild dargestellt haben. Ihr Schreibstil weckt bei dem Leser einfach die Lust und die Neugier auf einen Besuch unseres Tiergartens."



Das Brandenburg-Projekt sucht Antworten:

Wie soll sich Brandenburg vermarkten?
Welche Rolle spielen dabei einzelne Regionen?
Was können Reiseführer für die einzelnen Regionen leisten?

Werden Reiseführer für den touristischen Nahbereich gebraucht?
Wen sprechen derartige Reiseführer an?
Was sollen sie enthalten?

Wie ist die überregionale Wirkung regionaler Reiseführer?
Können regionale Reiseführer touristische Angebote beeinflussen?
Welche Vertriebsmöglichkeiten haben sie?

Sollen Reiseführer Karten enthalten?
Storytelling vs. Info-Sammlung.
Welche Rolle spielen Fotos?

Haben Reiseführer in Zeiten des Internets überhaupt noch eine Bedeutung?
Wie funktionieren Reiseführer als Ebooks?
Wie kann ein multimedialer Reiseführer aussehen?

Und viele andere mehr.


Welche Zielgruppe peilen die "Wegbegleiter" an?

Beispiel 1: Reiselustige
Die einen sammeln Briefmarken, die anderen facebook-friends und wieder andere Reiseziele. Und da gibt es solche, die mögen ganz ferne Ziele: Patagonien, Neuseeland oder wenigstens die Malediven.
Und es gibt solche, die mögen eher Ziele im Inland. Vielleicht wollen die den Flugstress meiden, finden sich in fremden Sprachen nicht zurecht oder wollen ganz einfach Geld sparen. Auf jeden Fall sind die meisten von denen der Meinung, dass man nicht weit fahren muss, um außergewöhnliche Erlebnisse haben zu können. So etwas wie  Exotik gibt es auch im eigenen Land. Denken wir nur an die Riesenhalle mit dem Tropenstrand in Brand, die Parklandschaftmit den rund 20 Schlössern in und um Potsdam oder das Kanal-Labyrinth desSpreewaldes.

Beispiel 2: Leseratten
Bücher führen uns in fremde oder weniger fremde Länder und nach der letzten Seite glauben wir, sie zu kennen, so als hätten wir sie besucht. Daniel Defoe, Karl May, Mark Twain, Jack London - noch weitere Namen gefällig? Oder denken wir an die mehr oder weniger namhaften Autoren der Reihe "Gebrauchsanleitung" des PIPER-Verlags: Antje Ravic Strubel schrieb über Schweden und Brandenburg, Jakob Hein über Berlin und der unvergessene Heinz Ohff über England und Schottland. Aber es gibt nicht nur die reisenden Literaten, auch echte Abenteurer schreiben ihre Erlebnisse auf. Alexander von Humboldt, der Entdecker, Reinhold Messner, der Bergsteiger, Wilfried Erdmann, der Weltumsegler…  

Könnte nicht ein Reiseführer von allem etwas sein? Ein wenig Erlebnisschilderung, ein paar Geschichten, Tipps, viele Fotos und andere Illustrationen. Ein buntes Kaleidoskop einer Landschaft.  
Die "Wegbegleiter" sollen dabei helfen, in eine Region tiefer einzutauchen. Wie ein echter Wegbegleiter sollen sie orientieren,  hinweisen, erläutern. Nicht zuletzt sollen sie unterhalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie vor, während oder nach der Reise gelesen werden. Oder vielleicht sogar ohne Reise. Wer weiß?

Beispiel 3:  Alteingesessene
Ist es nicht ein schönes Gefühl, dort zu wohnen, wo andere Urlaub machen? Aber was macht eine Urlaubsregion aus? Antwort: Es gibt einen Reiseführer über sie. Da macht es einfach Spaß, die altbekannten, alltäglichen Dinge in der Nachbarschaft einmal so beschrieben zu sehen, dass sie einem ganz neu, ja sogar exotisch vorkommen. So gesehen, ist ein Reiseführer auch ein Standortvorteil.
Ein schönes Kompliment für die Rechercheure ist es, von Einheimischen zu hören, im Reiseführer stünden ein paar Sachen, von denen sie selbst bisher keine Ahnung hatten. Zum Beispiel ist es gerade jüngeren Havelländern neu, dass hier noch vor einhundert Jahren eine Art von Plattdeutsch gesprochen wurde.

Beispiel 4: Neuberliner
Eine wirklich erfreuliche Alternative zur hölzernen RBB-Talkshow "Thadeusz" sind die Gespräche im 100er Bus . Am 8. 1. 2015 waren Nathalia Wörner und Sandra Maischberger zu  Sascha Hingst ins Oberdeck gestiegen (die Sendung war offenbar Monate zuvor aufgezeichnet worden).  Beide Damen berichteten, wie sie sich in den vergangenen Jahren in Berlin eingerichtet hatten. Sandra Maischberger erzählte, dass ihr hier die hohen Berge fehlen. Man müsse, um eine weite Aussicht genießen zu können, zum Schiffshebewerk nach Finowfurt fahren.
Sollte man den Neuberlinern nicht wünschen, dass sie nicht nur ihren Kiez wahrnehmen, sondern auch die weitere Umgebung? Schließlich muss man nicht Sandra Maischberger heißen, um als Gesprächspartner gern ernstgenommen zu werden. Das  setzt allerdings Faktenkenntnis voraus. In unserem Fall heißt das, das Schiffshebewerk nicht in Finowfurt zu verorten, sondern da zu lassen, wo es steht: in Niederfinow. Der "kleine Unterschied" beträgt immerhin 18 km Luftlinie und dazwischen liegt die Kreisstadt Eberswalde.


Donnerstag, 30. April 2015

News & Faktencheck April 2015

30. April

Der Tag sollte eigentlich eine erste eigene Begegnung mit der BUGA in Brandenburg an der Havel bringen. Die Nachricht vom Streik der Beschäftigten im dortigen ÖPNV sprach für eine Verschiebung. 

29. April

Sonderbar, die Statistik deses Blogs zeigt an, dass niemand die Seite mit den Lösungen des Fragespiels "Schlaumachen zur Fastenzeit" besucht hat. Die Fragen hatten mehrere hundert Besucher. Sollten die Fragen so leicht gewesen sein, dass es keiner Lösungen bedurfte? Mal sehen, wie es beim neuen Fragespiel "Schlaumachen - auf ein Neues" läuft.

28. April

Die Post brachte uns einen sehr freundlichen Brief von Dieter Hütte ins Haus, dem Geschäftsführer der Tourismus Marketing Brandenburg (TMB). Er beglückwunscht uns zum gelungenen Havelland-Reiseführer und wünscht ihm eine weite Verbreitung im Interesse des Brandenburg-Tourismus. Wie sehr seine Wünsche schon ein Stück weit in Erfüllung gegangen sind, konnten wir ihm in der Antwort mitteilen: Die Auflage, die eigentlich für den gesamten BUGA-Zeitraum geplant war, war bereits zwei Wochen nach dem BUGA-Start ausverkauft. Nun warten wir auf den Nachdruck. 

28. April

zibb, das Vorabendmagazin vom rbb stellte am Montag als "Stargast des Abends", Claas Fischer, den Autor unserer Neuerscheinung "Bäume in Potsdam. Ein Begleiter durch Parks und Geschichte", vor. Er war der sympathische und engagierte Naturtyp, dem man glaubte, dass ihn keine Frage der hübschen Moderatorin aus der Ruhe bringen konnte. Man hörte ihm gern zu, wie er begründete, weshalb Bäume in Potsdam ein ganzes Buch wert sind. In Einspielungen zeigte er sich als kundiger "Baumflüsterer" in verschiedenen Potsdamer Parks. Nur schade, dass keiner von beiden in dem Buch blätterte, um den Zuschauern einen Eindruck von den vortrefflichen Fotos von Frank Gyßling zu geben. Sie machen immerhin die Hälfte des Buches aus sprechen für seinen Wert. 

22. April

4 von möglichen 5 "k" vergab rbb-Kulturradio am 21. April an "Havelland.  Ein Wegbegleiter". Fazit der Rezension: "Havelland und BUGA machen hier gemeinsame Sache und der Besucher, egal ob mit dem Fahrrad, Kanu, zu Fuß oder per Bahn bzw. Auto, kann bestens davon profitieren." Die gesamte Rezension kann man nachlesen und und den dazugehörigen Beitrag nachhören

20. April

Ist das nicht verwirrend? "Havelland" und "Havelregion".

Und - häufig gefragt - ist das nicht das Gleiche? Ist es nicht. Der Begriff Havelregion wird aktuell für das Gebiet benutzt, in dem sich 2015 die fünf BUGA-Standorte befinden. Das sind 80 Kilometer Havelverlauf zwischen Brandenburg an der Havel und Havelberg (dazwischen Premnitz, Rathenow und Stölln).

Das Havelland dagegen ist viel mehr. Dazu gehört der gesamte Havelverlauf vom westlichen Berlin, durch Potsdam, an Werder (Havel) und Ketzin vorbei nach Brandenburg an der Havel und dann weiter durch die BUGA-"Havelregion". Zum touristischen Reisegebiet Havelland gehören aber auch die Landschaften zwischen Havel und Fläming, entlang des Rhin und rund um Nauen. 

19. April 2015

So liest sich das bei amazon am 18. 4., 18.45 Uhr, einen Tag nach der BUGA-Eröffnung

Havelland. Ein Wegbegleiter

Produktinformation

 14. April

Wenige Tage vor der BUGA-Eröffnung

Wir freuen uns über einen netten Brief von Jochen Sandner, dem Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft. Er ist der Meinung, dass dem Verlag ein guter Reiseführer über das Havelland gelungen ist. Heute hat die Tourismus Marketing Brandenburg den Havelland-Wegbegleiter in ihrem Newsletter vorgestellt.

12. April 2015

Das Fernsehen war da

Titelgrafik des Heimatjournals

Er durfte seine Angler-Karte aus unserem Verlag voll aufklappen und dem Reporter zeigen, wie akribisch er dort die Fischvorkommen in der Oder eingezeichnet hat - Stephan Höferer, der Menn mit den ganz dicken Welsen (was er den Fernsehzuschauern mit einem Privatvideo auch beweist). Nun warten wir ab, ob ein Fernsehbeitrag die Kauflust der Angler anregt. 

10. April 2015

Erst mal antesten

Ein Buchladen in der Hansestadt Havelberg interessiert sich für unseren Wegbegleiter durch das Havelland. Immerhin ist die Stadt darin mit 7 Seiten vertreten, einschließlich nützlicher Orientierungen zur BUGA. Man bestellt erst einmal ein Exemplar, "um das Buch zu prüfen". Ob man wohl mit "Fifty Shades of Grey" ähnlich verfahren ist? Übrigens: Aus Rathenow gab es für uns bereits die zweite Nachbestellung, aus Premnitz die erste. An jenem Tag stand unser Havelland-Reiseführer in der amazon-Verkaufsranglist auf Platz 12.901. Deutlich besser, als jede andere zur BUGA herausgegebene Publikation.  

9. April 2015

Das Fernsehen kommt! 

Fernseh-Alarm am Oderufer. Der "Märkischen Oderzeitung" sind die Dreharbeiten des rbb-Heimatjournal-Teams einen Aufmacher auf der Lokalseite wert. Und wer ist dabei? Unser Sachverständiger für Natur. Die Zeitung schreibt: "Direkt am Oderufer werden die Fernsehleute von Brandenburgs 'Anglerpapst' Stephan Höferer erwartet. Der Mann aus Neubrück bei Müllrose (Oder-Spree) entwirft Karten, die Petrijüngern die besten Stellen für den Fischfang entlang der Oder verraten. Für Ulli Zelle hat der Autor für Fachmagazine seine Angler-Karte "Oder - Ratzdorf bis Lebus" dabei." Wir werden am Samstag um 19 Uhr sehen, was die Schnittmeisterin von Stephan übrig gelassen hat.

 7. April 2015

Eins fehlte noch

Der Osterausflug führte zu „Brandenburgs vergessenem Königsschloss“ in Kossenblatt. Dorthin flüchtete sich der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., wenn ihn die Gicht peinigte. Um seine Schmerzen zu betäuben, betätigte er sich dort als Hobby-Maler. Einige seiner Bilder können im Schloss Königs Wusterhausen besichtigt werden. Das Barockschloss Kossenblatt befindet sich heute in Privatbesitz und ist verriegelt. Bei romantischer Stimmung könnte man es als "verwunschenes Märchenschloss" bezeichnen, bei weniger Romantik als ein Schatz, der langsam verkommt. Alles ist so, wie es Günter de Bruyn in seinem 2014 erschienenen Buch "Kossenblatt" im Kapitel "Abschied" beschreibt. Wenn von den Hohenzollern-Schlössern in Brandenburg die Rede ist, sollte es dennoch nicht fehlen.

Sonntag, 29. März 2015

News & Faktencheck März 2015

29. März 2015

Das Havelland im Rhein-Main-Gebiet

Die Hörer des Info-Radios vom Hessischen Rundfunk konnten sich ins Havelland hineinhören. Ein halbe Stunde lang kam die Kunde von einem seltsamen Fluss hoch oben im Nordosten der Republik über die Radios. Da wird über einen bevorstehenden Blütenrausch berichtet, einer, der schon einmal da war (ich), erzählt von seinen Erfahrungen, ein Kenner der Natur lässt tief blicken. Sogar ein Gedicht wird vorgetragen. Endlich mal nicht Amazonas oder Orinoko. Glückwunsch zu soviel gelungener Exotik! 

28. März 2015

Kein Verständnis

Seit 1863 standen die Kulissenbilder mit Darstellungen der Passion vom Heiligen Grab in einer Abstellkammer des Klosters Neuzelle. Zwei von ihnen sind seit dem 21. März wieder ins rechte Licht gerückt und wie in einem Himmlischen Theater in einem neuen Museum auf dem Klostergelände zu sehen. Also nichts wie hin. Es sollte am Sonnabend nach der Eröffnung sein. Dass die die RB 11 nur bis Eisenhüttenstadt fuhr und sich ein Ersatzverkehr mit Bussen anschloss, war hinzunehmen, weil nicht außergewöhnlich. In der Tat außergewöhnlich war allerdings ein roter Zettel an der Pforte zur großen Stiftskirche. Darauf bedankte sich jemand für mein Verständnis, dass das "märksiche Barockwunder" eben mal geschlossen ist. Keiner der Besucher, die dort an der Pforte rüttelten, wolle allerdings Verständnis dafür aufbringen, dass a) an einem Sonnabend und b) wenige Tage nach Eröffnung des neues Museums die Kirche so gereinigt wird, dass nicht einmal ein kurzer Blick möglich ist.

24. März 2015

Am Telefon

15.20 Uhr kam der Anruf vom Hessischen Rundfunk und los ging es mit einer Frage- Antwort-Runde über 20 Minuten zum Thema "Havelland". Wer einen Reiseführer schreibt sollte Ahnung haben. Mein Geheimtipp? Brandenburg an der Havel als Touristenstadt. Ich fand mich mutig. Sendung demnächst.

18. März 2015

Da geht noch was!

Heute steht die 2. Auflage unseres Wegbegleiters durch das Havelland auf der amazon-Bestseller-Liste auf Platz 4.075, in der Kategorie "Reiseführer/ Deutschland" auf dem Verkaufsrang 12 und in der Katgegorie "Sport allgemein" auf Rang 84. Das ist schon Bundesliga! Vergleiche siehe weiter unten im Faktencheck.

17. März 2015

Was sagt man dazu?

Heute steht die 2. Auflage unseres Wegbegleiters durch das Havelland in der Kategorie Reiseführer/ Deutschland auf dem Verkaufsrang 33. Das ist schon Bundesliga!

BUGA-Standort Premnitz

14. März 2015

"Eine Frage der Moral"

Beim Lesen in der Reisebeilage der Berliner Zeitung kam mir noch einmal eine Zahl in den Sinn, die während des Seminars am 6. März über Tourismusmobilität (siehe dazu weiter unten) zwischen Berlin und Brandenburg genannt wurde: 10 von 100 Berlinern fahren nie nach Brandenburg. Der Zeitungsartikel in der Wochenendausgabe vom 14./15. 3. hatte die Überschrift "Eine Frage der Moral" und ließ Experten darüber zu Wort kommen,  ob man Länder bereisen soll, die von einem "autoritären Regime" geführt werden. Als Beispiele werden genannt China, Vietnam, die Emirate, Marokko, Kuba, Iran, Myanmar, Nordkorea und Simbabwe. Nicht genannt werden die Türkei, die Dominikanische Republik, Syrien, Libyen, Irak, Afghanistan, Nigeria, Angola, Sudan, Saudi Arabien. Also alles in Ordnung? Ob die Anwendung der Todesstrafe bereits ein Ausschlusskriterium ist, ging aus dem Artikel nicht hervor. Folglich sah der Verfasser wohl bei Reisen in die USA keine Probleme. Und bei Griechenlad ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis es von einigen Reisejournalisten im Reich des Bösen angesiedelt wird.

Nun aber zu den Brandenburg-Totalverweigerern. Könnte es sein, dass zumindest ein Teil von ihnen politisch-moralische Erwägungen antreiben? Gilt nicht Brandenburg vielen (West)-Deutschen als die "kleine DDR"? Wird nicht Brandenburg von einer rot-tiefroten Koalition autoritär verwaltet? Besteht nicht auch hier (wie in der Berliner Zeitung angeführt) die Gefahr, dass der Sonnenstuhl neben einer Gefängnismauer zu stehen kommt? Verweigert hier nicht ein ehemaliger Ministerpräsident den Boykott von Russkij Standard? Vielleicht haben die 10 Prozent Berliner die Zeichen der Zeit erkannt, für die es eine Frage der Moral ist, um Brandenburg einen Bogen zu machen. Die Berliner Zeitung weist den Weg durch das Gewirr von Gut und Böse. So einfach kann die Welt sein.

Der brandenburgische Landtag: kein demokratischer Abgeordneter weit und breit zu sehen

12. März 2015

"Die 9 als Billignummer"

Während in Leipzig die Buchmesse zum Branchentreff ruft, hebt im Feuilleton des "Neuen Deutschland" jemand zum Schlag gegen die Erbsenzähler auf dem Buchmarkt aus: "Seit einiger Zeit hat der Glaube an die Billignummer 9 eine Branche erfasst, die dagegen immun schien... Irgendwann fiel es einem noch unbekannten Erfinder ein, Bücher für einen Preis zu verkaufen, der mit zwei Neunen endet. Das machte Schule..." Gerade die großen Verlage sind es, die ihre Produkte mit einem Preis versehen, der äußerlich dem des Benzins an der Tankstelle, dem Joghurtbecher im Kühlregal und der Zahlbürste im Drogeriemarkt zum Verwechseln ähnlich sieht. Der Witz ist: Die Verwechslungsgefahr ist kein dummer Zufall, sondern bewusstes Kalkül. Da Bücher immer häufiger an der Tankstelle und in der Grabbelkiste der Supermärkte angeboten werden, rückt auch die Preisbildung näher aneinander. Dorthin, wo es kuschlig wird. "Kann ich mir Fifty Shades of Grey noch leisten oder nehm ich doch lieber ein Kilo Bananen?"

Bei unseren Neuerscheinungen standen wir auch vor der Frage: Wie bisher 14,80 oder - dem Trend folgend - 14,99 Euro. Das sind bei 1500 verkauften Exemplaren nach Abzug der Mehrwertsteuer und der üblichen Händlerprovision 144 Euro mehr in der Kasse. Rund gerechnet. Und was steht diesem Gewinn gegenüber? Ein Verlust an Glaubwürdigkeit der Ware Buch. Das Signal des Verlegers, die Erbsenzählerei über alles zu stellen, wenn es sein muss, auch über Inhalte. Letztlich Sogar die Missachtung der Privilegien, die das Kulturgut Buch gerade noch genießen: die Preisbindung und der verminderte Mehrwertsteuersatz. In den ....,99 wird der vorauseilende Gehorsam gegenüber den Kaufgewohnheiten bei Aldi, Lidl, Penny & Co. deutlich. 

Alles aus einer Hand: Klamotten, Bücher und vieles mehr

11. März 2015

Verlagsarbeit ist Schwerstarbeit

„Ihr habt aber viele Pakete zur Zeit“, meinte unsere eifrige Paket-Postbotin dieser Tage, als sie wieder einmal ihre Sackkarre so voll gepackt hatte, dass sie kaum über den Paketberg hinwegschauen konnte. Stimmt. Aber bevor wir viel versenden können, müssen wir selbst erst einmal anpacken und sie per Hand-zu-Hand-Kette vom LKW in den Keller holen. Innerhalb einer einzigen Wochen waren das die 2. Auflage von „Havelland. Ein Wegbegleiter“, die Neuauflage von „Potsdamer Bäume“ und die Havelland-Ausgabe der „Ferienzeitung“. Mit einem großen Schwall kommt die Papierflut ins Haus und tröpfelweise verlässt sie es wieder. Damit schwindet dann auch der Muskelkater.

 7. März 2015

Unterwegs auf der ITB

Die Internationale Tourismusbörse war auch in diesem Jahr eine gute Möglichkeit, alte Bekannte auch ohne Terminvereinbarung zu treffen. Vier Mitarbeiter von Terra Press waren an zwei Tagen vor allem auf dem Brandenburg-Stand in Halle 11 der Reisemesse unterwegs. Freudig war das Wiedersehen vor allem mit jenen Touristikern, die man durch die wilden Anfangsjahre begleiten durfte und die noch nach über zwei Jahrzehnten am Ball sind. Es wäre glatt uncharmant, hier Namen zu nennen, denn es handelt sich zum großen Teil um Frauen. Erwähnt seien jene, mit denen - mehr oder weniger ausführlich - über den Fortgang von Projekten gesprochen werden konnte: Frau Rußig aus dem Seenland Oder-Spree, Herr Kraus aus dem Ruppiner Seenland, Herr Neumann aus der Prignitz, Frau Faber-Schmidt von Kulturland Brandenburg…  Die ITB bot aber auch Gelegenheit, neue Akteure kennenzulernen. So haben wir Herrn Menzel viel Erfolg bei der touristischen Vermarktung der Reiseregion Fläming gewünscht. 

Beim Betreten des Brandenburg-Standes kam mir ein Werbespruch in den Sinn, der abgewandelt lautet: Wir stecken nichts in die Werbung, aber alles in die… ja, was denn? Ich erinnerte mich an Brandenburg-Präsentationen, da hatte jedes Reisegebiet einen eigenen Stand. Sie überschütteten die Besucher mit einer Flut von Eindrücken für Auge, Ohr, Nase, Zunge. Mittendrin Potsdam und sein Weltkulturerbe. Diesmal standen die freundlichen Damen und Herren an kleinen Countern und vertrauten tapfer der Zugkraft des Namens ihrer Heimatregion. Ich bin mir sicher, dass diese Bescheidenheit dem Interesse der Besucher am Reiseziel Brandenburg keinen Abbruch getan hat. Als alter Bekannter konnte man sich Understatement leisten.


ITB mit Aha-Effekten

Die ITB ist nicht nur Messe, sondern auch Informationsbörse, und wenn es optimal läuft des Informationsaustauschs. Die u.a. auf Quellmarktanalysen spezialisierte Consultingagentur dwif stellt am 6. 3. ihre Abschluss-Studie zur Tourismusmobilität der Berliner Bevölkerung nach Brandenburg vor. Eine solche Untersuchung wird gemeinsam von der Tourismus Marketing Brandenburg und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg in Auftrag gegeben. Sie trägt der Tatsache Rechnung, dass für Brandenburg die Metropole Berlin nun einmal der Quellmarkt Nr. 1 ist. Mit Abstand. Die Consulter sollten klären, mit welchen Verkehrsmitteln die Berliner ins Brandenburgische kommen, welche Rolle dabei der ÖPNV spielt und wo noch Steigerungspotenziale gesehen werden.

Aha-Effkt Nr. 1: Man hat es ja geahnt, aber jetzt hat es die Erhebung nach fast 1500 Telefonbefragungen bestätigt: Die Berliner sind die Auto-Muffel der Nation. Während im bundesdeutschen Durchschnitt gerade einmal 18% der Haushalte kein Auto besitzen, sind es in Berlin über 40%. Ist es dann noch eine Überraschung, dass es vor allem die jungen Berliner sind, die auf ein Auto verzichten? Bevor wir aber der Jugend ein umweltbewusstes, auf Nachhaltigkeit orientiertes Leben bescheinigen, sollten wir daran erinnern, dass Berlin über ein Nahverkehrssystem verfügt, das selbst weltweit nur von wenigen Städten getoppt wird. Mir fällt zum Beispiel keine europäische Hauptstadt ein, in der die Regionalzüge mitten durch die City fahren und deren Schienenwege sich an einem Punkt kreuzen. Dazu ein eng vernetztes System von S-, U- und Straßenbahnen sowie Bussen. Kaum eine S-oder U-Bahn-Station, die nicht auch Umsteigemöglichkeiten bietet. Da fällt es leicht, sie vernünftig zu verhalten und auf das Auto zu verzichten. Und wer nicht ganz verzichten will, der vermeidet mittels Car-Sharing die Anschaffung eines eigenen Wagens. Fazit der Studie: Die Berliner sind ÖPNV-affin.

Aha-Effekt Nr. 2: Bei den Befragungen haben 9 von 10 Berlinern eingeräumt, Ausflüge und Reisen nach Brandenburg zu unternehmen. Die Gründe der Brandenburg-Muffel für ihre Abstinenz waren ebenso vielfältig wie nicht einleuchtend. Immerhin finden fast ein Drittel aller Tagesfahrten von Berlin nach Brandenburg mit Verkehrsmitteln des ÖPNV statt. Leider differenziert diese Studie nicht zwischen der näheren Umgebung Berlins (dem "Speckgürtel", der teilweise sogar im 20-Minuten-Takt mit der S-Bahn erreichbar ist) und den ferneren Zielen, die ja gut und gerne 200 km entfernt sein können (und wohin nur alle zwei Stunden ein Zug fährt - wie in die uckermärkische Hauptstadt Prenzlau). So erzeugen bei mir zwei Zahlen Schulterzucken: Für Fahrten nach Potsdam werden der Studie zufolge öffentliche Verkehrsmittel zu 48% genutzt, aber in die Lausitz (einschl. Spreewald, Elbe-Elster-Land du Lausitzer Seenland) 55%. Kaum zu glauben, wenn man einerseits die vielfache Anbindung Potsdams an den Berliner ÖPNV sowie die schwierige Parksituation in der Landeshauptstadt bedenkt und andererseits das dünne ÖPNV-Angebot in Südbrandenburg vor Augen hat.

Aha-Effekt Nr. 3: Gefragt wurde auch nach dem Informationsverhalten vor und während der Reise. Die Zahlen sind für einen Verlag, der vorwiegend von Printmedien lebt, ermutigend. Zwar ist im Vorfeld des Brandenburg-Aufenthaltes das Internet mit 51% die wichtigste Informationsquelle, aber die Medien TV, Radio, Zeitschrift, Zeitung, Buch (Reiseliteratur und -führer für sich allein 16%) bringen es zusammen auf 55%. Die Berichte von Verwandten und Freunden machen dabei 41% aus. Materialien der Zielregion fallen mit 11% nur gering ins Gewicht. Während des Aufenthaltes ändern sich diese Zahlen deutlich: Das Internet sackt auf 14% und die Broschüren und Flyer der örtlichen Touristinformationen beherrschen die Szene mit 39%. Reisführer halten immer noch tapfer bei 11%. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Produkte aus dem Hause Terra Press vor allem bei der Reiseplanung eine Rolle spielen. 

Aha-Affekt Nr. 4: Traue nur der Statistik, die du selbst… Welche Vorteile bietet der ÖPNV für den Ausflug nach Brandenburg? Thema Schnelligkeit. Allgemein wird die Geschwindigkeit des öffentlichen Verkehrs gegenüber dem Individualverkehr unterschätzt - das heißt, die Fahrzeiten werden - so die Studie - bis zu 45% höher geschätzt, als sie tatsächlich sind. Aber was heißt das schon, wenn der Zug nur alle zwei Stunden fährt? Die damit erforderliche Zeitplanung ist eine nicht zu unterschätzende Unbequemlichkeit. Bei diesem Beispiel zeigt sich die Problematik, Brandenburg als eine statische Größe zu bewerten. Je näher ein Ziel an Berlin ist und damit je höher die Taktfrequenz im ÖPNV, umso höher ist die zu erreichende Geschwindigkeit. Und umgekehrt. Dass der ÖPNV dennoch kräftig unterschätzt wird, ist allerdings eine Tatsache. Da betrifft die Reisenden ebenso wie die Gastgeber. Auf diesem Gebiet geschieht derzeit allerdings mehr, als die Studie herausgefunden hat.

Aha-Effekt Nr. 5: Ich hab bei der Präsentation der Studie über die Tourismusmobilität der Berliner in Richtung Brandenburg viele interessante und manchmal auch verblüffende Zahlen gehört. Daraus konkrete Schlussfolgerungen zu ziehen, war offenbar nicht Aufgabe der Studie. Dass vorhandene Potenziale nicht ausgeschöpft sind, ist ein abschließender Hinweis, der keinen Wagemut erfordert. Im Saal saßen Vertreter aus den Reisegebieten. Es wäre interessant gewesen zu hören, welche Potenziale bei ihnen noch schlummern. Vor allem aber, wie sie gehoben werden können. Auf die Organisation des ÖPNV in ihrer Region haben sie jedenfalls so gut wie keinen Einfluss. Überhaupt: Welche Rolle spielt der Tourismus bei der Bestellung der Verkehre in Berlin und Brandenburg? Wann ist eine Buslinie im Land touristisch relevant (meiner Meinung nach muss sie an allen Tagen in der Woche mindestens im 2-Stunden-Takt verkehren, davon gibt es viel)? Wie entwickelt sich die Fahrradmitnahme? Wie rechnen sich die Touristenlinien und wie können sie finanziell gestemmt werden? Das größte vorhandene Potenzial wurde nur am Rande erwähnt: die einheitliche Verkehrsregion im Quell- und Zielgebiet. Das gibt es so nicht noch einmal in Deutschland. Da sind Tarifangebote möglich wie das Berlin-Brandenburg-Ticket, das 65+-Abo, die Tageskarte für das Gesamtgebiet. Das sind riesige Flächen, die da abgedeckt werden, mit einem gewaltigen Mobilitätsangebot. Dazu gibt es Initiativen wie die freie Fahrt mit der Kurkarte rund um Bad Saarow. Oder das kostenlose ABC-Ticket für Gäste in Mitgliedshotels des Tourismusverbandes Potsdam. Damit kommt man bis Berlin. Fazit: Erbsenzählerei kann Spaß machen, muss aber letztlich zu einem schmackhaften Gericht führen. 

amazon.de - Verkaufsränge von Brandenburg-Reiseführern am 24. 3. 2015

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Brandenburg/ Potsdam, Havelland, Spreewald 134.454
Brandenburg - Unterwegs zwischen Elbe und Oder 334.536
Brandenburg mit dem Rad 227.179