45x Schlaumachen in der Fastenzeit
Lösung des Brandenburg-Quiz:
1. Brandenburg an der Havel;
2. Friedrich II. (der Große);
3. der
Karpfen schwimmt, der Aal schleicht, der Hecht steht, die Quappe
versteckt sich;
4. die Twiste fließt in Hessen;
5. der Rotmilan;
6. 2001
Luckau, 2002 Eberswalde, 2006 Rathenow, 2009 Oranienburg, 2013
Prenzlau;
7. die Märkische Schweiz, der Hohe Fläming und die
Uckermärkischen Seen sind Naturparks, der Spreewald ein
Biosphärenreservat, das Untere Odertal ein Nationalpark;
8. in
Treuenbritzen gedenkt man dem Sabinchen, in Bernau dem Ziceknschulze, in
Brandenburg an der Havel dem Fritze Bollmann und in Cottbus übt man
noch immer den Zungenbrecher mit dem Postkutscher;
9. Willibald Alexis;
10. Woltersdorf;
11. Neuruppin;
12. Zechlinerhütte;
13. Wein;
14.
Alleenstraße;
15. Elsterwerda;
16. die Erle;
17. das Rothsteiner
Felsenfest;
18. Voltaire und Lessing;
19. Turnvater Jahn;
20. Bad
Freienwalde;
21. Tussy II;
22. Frankfurt (Oder);
23. das kleinste
Museum;
24. Friedrich;
25. „Der Laden“;
26. Bibliotheken;
27.
Schwedenlinde;
28. Zisterzienser;
29. den Namen Bismarck-Turm;
30. Storkow (aber im Wappen ist er vorhanden);
31.
Jakobus und der Jacobsweg;
32. ein Kanal zur Havel;
33. Scheinwerfer;
34. Schweden;
35.
Bockwindmühle;
36. Spargel;
37. Bismarckhöhe;
38. IL 62;
39. Bad
Freienwalde (noch einmal);
40. Gransee;
41. tiefstes Bohrloch;
42. Ruppiner See;
43.
Bowling, Ringen, Boxen, Volleyball;
44. Quitzow, Bredow, Arnim, Lynar;
45. Bad Wilsnack.
Wie soll sich Brandenburg vermarkten?
Welche Rolle spielen dabei einzelne Regionen?
Was können Reiseführer für die einzelnen Regionen leisten?
Mittwoch, 15. April 2015
Dienstag, 14. April 2015
Das making-of-Lexikon
"Der Wegbegleiter" - das making-of-Lexikon
- im Aufbau -A
AuflagenAlle Reiseführer des Brandenburg-Projektes erscheinen in einer Erstauflage zwischen 2.000 und 2.500 Exemplaren. Diese Stückzahl verkauft sich in einem bis eineinhalb Jahren. Während dieser Zeit wird die nächste Auflage vorbereitet, Angaben werden aktualisiert, zusätzliche Informationen aufgenommen. Ziel ist, die Reiseführer permanent lieferbar zu führen. Kurzfristige Lücken in der Lieferbarkeit können dennoch auftreten.
B
BrandenburgSeit der Neugründung des Landes Brandenburg am 3. Oktober 1990 bemüht man sich, Brandenburg auch als touristische Marke zu entwickeln. Gerade in jüngster Zeit hat die Tourismus Marketing Brandenburg GmbH die Markenentwicklung noch einmal kräftig vorangetrieben. Bei dem Bemühen, die wesentlichen touristischen Werte des Landes in einen Satz zu gießen, wurde von Markenentwicklern folgende Essenz formuliert: "Brandenburg ist die aktive Naturbühne und kultivierte Landschaftsinszenierung Berlins am Wasser." Nachvollziehbarer sind die in diesem Zusammenhang benannten Erlebniswelten: Landlust ausleben, Wasser entdecken, Tief durchatmen, Kultur erleben, Horizonte erweitern. Genau da fügt sich das Brandenburg-Projekt ein, indem es den "Erlebniswelten" konkrete "Erlebnisorte", sortiert nach Regionen, hinzufügt.
Brandenburg - die pralle Vielfalt.
C
D
DoppelnennungDoppelnennungen von touristischen Zielen (POIs) gehört zum Grundkonzept des Brandenburg-Projektes. Besucher eines Region sollen mithilfe des Reiseführers auch nahe Ziele in der Nachbarschaft kennenlernen. Wenn es keine klare Abgrenzungen der Zielregion gibt, muss es folglich zu Doppelnennungen kommen. Siehe dazu den Artikel "Reisegebietsgrenzen" in diesem Lexikon.
E
Ebook"Havelland. Ein Wegbegleiter" war der erste Reiseführer über eine Region in Brandenburg, der auch als Ebook angeboten wird. In kindle-Shop steht er unter "Reiseführer Deutschland" an erster Stelle. Die Ebook-Ausgabe kostet 9,99 Euro, gegenüber 14,80 Euro der gedruckten Version. Dennoch wird das Buch aus Papier und Druckerschwärze deutlich häufiger abgerufen als die elektronische Ausgabe.
F
FotosDie allermeisten Fotos stammen von den Autoren und entstehen während der Recherchereisen. Sie spiegeln daher authentisch das wider, was in den Texten beschrieben wird.
G
H
HavelJedes Projekt braucht einen Roten Faden. In den ersten Ausgaben des Brandenburg-Projektes wird das die Havel sein. Im Havelland spielt sei eine "tragende" Rolle, im Falle von Uckermark und Barnim kommt sie "am Rand" vor. Aber auch der Finowkanal, der die Flusssysteme von Oder und Havel verbindet, wäre ohne die Havel nicht denkbar.
I
Illustrationen und Info-GrafikenDie wichtigsten Infografiken in den Reiseführern mit dem Label "Edition Terra" sind Karten:
1. Übersichtskarten für das gesamte Reisegebiet, Teilkarten für jedes einzelne Kapitel, Detailkarten für Wander- und Radtouren.
2. Stadtpläne bzw. Pläne von Stadt- und Ortskernen.
3. 3D-Darstellung einzelner Sehenswürdigkeiten, z.B. Kloster Chorin, Ziegeleipark Mildenberg, Freiluftmuseum Altranft.
4. Die Reiseführer Barnim und Havelland (ab zweite Auflage) enthalten in den Info-Kästen "Wer war eigentlich…" Strichzeichnungen der jeweiligen Persönlichkeiten. Sie stammen vom Zeichner des Verlages, Rolf Nölte.
K
KonzeptDer inhaltliche Aufbau der Reiseführer des Brandenburg-Projektes folgen einem einheitlichen Konzept. Dabei ist die jeweilige Region noch einmal in fünf oder sechs Gebiete aufgeteilt. Jedes Kapitel verfügt über 36 Seiten, einschließlich aufklappbarer Doppelseiten. Die Gebiete werden so bestimmt, dass möglichst jeweils eine größere Stadt (Stadtrundgang) enthalten ist. Hinzu kommen Serviceteile mit Adressen touristischer Anbieter am Ende des Buches, deren Seitenzahlen variieren können.
L
LesegewohnheitenNur wenige werden einen Reiseführer lesen wie einen Roman. Die meisten Nutzer werden sich das heraussuchen, was ihnen im Augenblick am nützlichsten erscheint. Und dennoch bietet der Reiseführer seine Informationen in einem inneren Zusammenhang (entlang eines Weges, in einer Chronologie oder einer anderen Sortierung). Zusatzinformationen, die diese Zusammenhänge aufsprengen, sind farblich abgehoben. Auch wenn es nur Teile des Reiseführers betrifft - die Gedanken der Leser werden vom Autor geleitet. Genau das vermag das Internet nicht zu leisten. Hier bestimmt der Nutzer fast völlig den Ablauf seiner Suche. Ein touristischer Anbieter, der wirklich etwas zu vermitteln hat, kann das in einem Reiseführer wesentlich effektiver als auf einer Internet-Seite. Allerdings kann die Internet-Seite potenziell viel mehr Leser erreichen. Potenziell wohlgemerkt.
M
multimedialDie Reiseführer des Brandenburg-Projektes nutzen das Internet, um die mediale Bandbreite zu erweitern. So enthält der Havelland-Reiseführer zahlreiche QR-Codes, die zu Kurzvideos der TourismusMarketing Brandenburg (TMB) führen. In allen Reiseführern werden zu den touristischen Anbietern die jeweiligen Links angegeben.
N
NahverkehrGereist wird nicht nur im Auto. Gerade in Berlin verzichten immer mehr auf einen eigenen Wagen. Car-Sharing ist die eine Alternative, öffentliche Verkehrsmittel die andere. Die Reiseführer des Brandenburg-Projektes messen der Erreichbarkeit touristischer Ziele mit Bahnen und Bussen eine hohe Bedeutung zu. Nur leider sind gerade die Bus- Angebote nicht immer auf die Besucher zugeschnitten. In den Reiseführern werden nur solche Busverbindungen benannt, die täglich verfügbar sind und mindestens alle zwei Stunden fahren. Der Reiseführer kann den Blick in die aktuelle VVB-Fahrinfo nicht ersetzen.
O
OriginalitätAuch wenn die Reiseführer des Brandenburg-Projektes nach einem einheitlichen Grundkonzept aufgebaut sind, stellt jeder sein Reisegebiet auf eine originelle Weise dar. Im Barnim sind das Interviews mit Erzeugern regionaler Produkte. Der Gedanke: So schmeckt der Barnim. Im Havelland sind es individuelle Touren von terra-press-Autoren und in der Uckermark die Vorstellung der Großschutzgebiete.
P
PotsdamUnter dem Label "Edition Terra" ist auch ein Reiseführer über Potsdam erschienen. Seine erste Auflage geht auf das Jahr 2005 zurück. Zur Zeit wird die fünfte Auflage ausgeliefert (auf Englisch die zweite Auflage). Das dieser Reiseführer in Format und Umfang nicht den anderen "Wegbegleitern" entspricht, zählt er nicht als Bestandteil des Brandenburg-Projektes. Das kann sich in Zukunft allerdings ändern, schließlich ist Potsdam das wohl wichtigste Reisegebiet Brandenburgs.
Preis
Die "Wegbegleiter" haben alle den Preis von 14,80 Euro, unabhängig von der Seitenzahl.
Q
QuellenDie mit Abstand wichtigste Quelle für die Reiseführer des Brandenburg-Projektes ist die eigene Anschauung. Sie wird ergänzt von Publikationen aller Art, die vor Ort angeboten wird, vom Info-Flyer bis zur Image-Broschüre. Die geringste Bedeutung haben die Eigendarstellungen der einzelnen Orte in ihren Internet-Auftritten. Sie beginnen in aller Regel mit der ersten urkundlichen Erwähnung und enthalten Fakten, die für Besucher meist uninteressant sind.
R
ReisegebietsgrenzenBei der Vermarktung von touristischen Landschaften spielen Landkreise und Tätigkeitsgebiete von Tourismusverbänden eine wichtige Rolle. Daher machen offizielle Werbebroschüren meist an diesen Grenzen halt. Der "Wegbegleiter" ist an solche Grenzen nicht gebunden. Er kann sogar durch bewusste Grenzüberschreitungen die Attraktivität einer Region noch steigern.
"Uckermark. Der Wegbegleiter" weist z.B. auch auf die die Städte Feldberg, Carwitz und Strasburg in Mecklenburg-Vorpommern, auf das Kloster Chorin und die Orte Joachimsthal sowie Niederfinow im Barnim und auf den Ziegeleipark Mildenberg in Oberhavel hin.
"Havelland. Der Wegbegleiter" enthält in der zweiten Auflage je ein Abschnitt über Havelberg, Jerichow und Tangermünde in Sachsen-Anhalt, über Fehrbellin im Kreis Ostprignitz-Ruppin, über Kremmen im Kreis Oberhavel, über Spandau in Berlin sowie über Potsdam, das nicht zum Tourismusverband Havelland gehört.
"Barnim. Ein Wegbegleiter" geht auch auf Templin und Angermünde in der Uckermark ein und enthält Kurzbeschreibungen von Altlandsberg (Märkisch-Oderland) sowie Zehdenick einschl. Ziegeleipark Mildenberg (Oberhavel). Ein ganzes Kapitel ist Bad Freienwalde und dem Oberbarnim (Märkisch-Oderland) gewidmet.
Roter Faden
Die Reiseführer des Brandenburg-Projektes nutzen Radwander-und Wanderwege als Roter Faden, der sich allerdings nicht durch alle Kapitel ziehen kann. Das sind
- der Märkische Landweg einmal rund um die Uckermark;
- der Havel- und der Havelland-Radweg rund um das Havelland
- das Barnim-Dreieck, eine Radtour durch den Norden des Barnimer Landes.
Diese Wege werden ergänzt durch lokale Touren.
S
StorytellingModen kommen und gehen. Im Tourismus-Marketing steht das Storytelling, das Geschichtenerzählen, zu Zeit in höchster Gunst und wird häufig als Wundermittel verschrieben. Wo noch vor kurzem die Texte nicht werblich genug sein konnten, soll nun die Werbung hinter einer Geschichte versteckt werden. Pfiffige Texter haben bereits ein Rezept parat. Aus "bei uns können Sie Ihre Seele baumeln lassen" wird "bei uns lassen Erna und Otto ihre Seele baumeln". Natürlich ist das nur ein Pseudo-Storytelling. Echte Geschichten haben eine Handlung. Eine solche Geschichte passend zur gewünschten Aussage zu finden, ist nicht leicht. In den Reiseführern des Brandenburg-Projektes werden auf farblich hinterlegten Seiten bzw. Kästen Geschichten erzählt, die den Haupttext ergänzen, vertiefen und die zugleich unterhalten. So werden Reiseziele interessanter ohne dass sich die Leser belehrt fühlen müssen.
T
Tourismusverbände und touristische VermarktungsgesellschaftenDas Brandenburg-Projekt sucht die Unterstützung der regionalen Tourismus-Vermarkter. Das sind in den bisher erschienenen Reiseführern:
- die Tourismus Marketing Uckermark GmbH (tmu)
- der Tourismusverband Havelland e.V.
- die WITO GmbH, Barnim.
Der Verlag ist ihnen besonders dankbar für die aktive Unterstützung, die sie bei der Erstellung des Service-Teils geleistet haben.
U
UmfangDer erste Reiseführer innerhalb des Brandenburg-Projektes hatte 160 Seiten. In der dritten Auflage erreichte auch der Uckermark-Wegbegleiter 200 Seiten. Die Wegbegleiter Havelland und Barnim erschienen von der ersten Auflag an mit 260 Seiten. Eine Erhöhung dieser Seitenzahl ist nicht vorgesehen, da das Buch dann für den Gebrauch unhandlich und für den Versand zu schwer wird.
V
VertriebDie Reiseführer des Brandenburg-Projektes nutzen mehrere Vertriebsschienen:
1. Der Buchhandel (einschl. Bahnhofsbuchhandel) in Berlin sowie größere, auf Reiseliteratur spezialisierte Buchhandlungen in ganz Deutschland;
2. Touristische Einrichtungen in den jeweiligen Regionen: Tourismus-Informationen, Museumsshops, Souvenirshops u.ä.;
3. der online-Buchhandel einschl. des shops unter www.terra-press.de.
Leider beteiligen sich Hotels und andere touristische Leistungsträger generell nur in Ausnahmen am Buchvertrieb.
W
WerbungFür Werbeanzeigen stehen lediglich die 2. und 3. Umschlagseite zur Verfügung. Es wird angestrebt, dass sich dort nur übergreifende Unternehmen (z.B. Verkehrs- oder Energie-Unternehmen) vorstellen. Hinweise auf einzelne Anbieter im redaktionellen Teil sind nicht mit finanziellen Zuwendungen verbunden. Die kostenlose Überlassung von geeignetem Bildmaterial ist hingegen willkommen.
X,Y
X-beliebigDie Auswahl der touristischen Ziele erfolgt im Brandenburg-Projekt keinesfalls x-beliebig. Die regionalen und lokalen Touristiker haben da ein wichtiges Wörtchen mitzureden. Nach Erscheinen der ersten Auflage sind Anregungen und Hinweise stets willkommen. Schließlich sollen die Reiseführer von Auflage zu Auflage besser werden.
Z
ZielgruppenSiehe separates Kapitel in diesem Blog.
Labels:
Auflage,
Autoren,
Ebook,
Gendern,
Illustrationen,
Internet,
Konzept,
Lexikon,
Marketing,
Multimedia,
Nahverkehr,
Quellen,
Reiseführer,
Tourismus,
Vertrieb,
Werbung
Dienstag, 7. April 2015
Brandenburg-Splitter
Wie Brandenburg zur Premium-Destination wurde
Ein kleiner Geburtsfehler
Als die Askanier (und nicht die Hohenzollern!) am 11. Juni 1157 Brandenburg erschufen, hatten sie keine touristische Destination im Sinn. Es galt damals nur das Prinzip: meine, meine und nicht deine. Und es galt, dem Heiligen Römischen Reich zu neuer Größe zu verhelfen. Ein Fürst namens Albrecht mit dem eindrucksvollen Beinamen "der Bär" tat was er konnte, und die slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder hatten das Nachsehen. Also touristisch war da nicht viel los. Ein Geburtsfehler, der bis heute nicht ganz ausgemerzt ist.Da waren die Zisterzienser-Mönche schon besser drauf. Sie gründeten im gleichen Jahr in der Nähe von Tripolis, heute Libanon, die erste Abtei außerhalb Europas. Ein Kloster darf man ja wohl getrost als ein Vorfahre des Hotels ansehen, sofern wir nicht gleich über 5 Sterne reden. Ihnen voraus marschierten die Kreuzfahrer aus allen Teilen Europas, um quasi als robuste Unternehmensberater Jerusalem und die gesamte Küste des östlichen Mittelmeers in ein bevorzugtes Touristenziel aller guten Christen zu verwandeln. Doch die Unternehmensberatung hatte ein paar falsche Ansätze und so kamen anstelle von Touristen weitere Kreuzritter, Glücksritter und Schacherer aller Art. Bald hatten sich die Eindringlinge hoffnungslos zerstritten und die Einheimische vereint. Und so kam, was kommen musste: Jerusalem war für lange Zeit als touristische Destination ausgefallen.
Doch zurück nach Brandenburg. Was im Nahen Osten im großen geschah, passierte hier um 1350 im kleinen: Die politische Macht zerfiel, es begann eine Zeit des Chaos. Die einzige Lichtgestalt in dieser trostlosen Zeit war ein Hochstapler, der "falsche Woldemar". Der konnte zwar das Volk um sich sammeln, aber er besaß nicht das blaue Blut, das nun einmal für einen Herrscher notwendig ist. Wer heute durch Brandenburg reist, wird das an vielen Orten wieder bestätigt finden. Und wer es es dann immer noch nicht glaubt, sehe sich im RBB die Sendreihe "Preußisch Blau" an. Dort werden Blaublüter genötigt, auf die Frage zu antworten, ob sie ganz normale Menschen seien oder nicht. Wer in eine brandenburgische Stadt mit einem "Woldemar-Tor" in der Stadtmauer kommt, kann sicher sein, dass hier der Hochstapler willkommen war.
Wir waren aber noch beim Chaos in Brandenburg. Als die Hohenzollern aus Franken kamen, um Brandenburg wieder aufzupeppen, taten sie zweifellos ihr bestes, um auch den Tourismus anzukurbeln. Sie taten das so erfolgreich, dass viele der Besucher nicht mehr nach Hause wollten. Gerade die gebirgigen Gegenden erfreuten sich hoher Beliebtheit. So besiedelten die Flamen den Fläming, die Schweizer die Märkische Schweiz und die Rheinländer die Gegend rechts und links des Rhin. Es kamen närrische Zeiten.
Und in der nächsten Abteilung lesen wir, was Touristen anrichten, die in Kriegszeiten ins Land kommen, was die Franzosen so alles mitbrachten und warum die Brandenburger immer noch kein richtiges Tourismus-Marketing hatten.
Wenn Fremde ungebeten kommen
Es sieht in der Rückschau sehr danach aus, als wäre das berühmte Edikt von Potsdam aus dem Jahr 1685 die erste wirksame Marketing-Aktion, um Gäste in die Mark Brandenburg zu ziehen. Darüber vergisst man gern, dass das 17. Jahrhundert mit einer Maßnahme begann, der eine große Wirkung vorausgesagt wurde: der Bau des Finow-Kanals. Damit wurden die Stromgebiet der Oder und der Warthe (mit Städten wie Stettin und Posen) mit der Havel, der Spree und der Elbe (mit Städten wie Berlin und Hamburg) verbunden. Wasserwege waren damals das, was heute Schienen und Autobahnen sind. Nicht nur, dass die Kähne viel mehr transportieren konnten als ein Pferdefuhrwerk, sie waren auch sicherer und bequemer. Der Finow-Kanal war die erste künstliche Wasserstraße in Deutschland. Initiiert wurde der Bau von Kurfürst Joachim Friedrich. Kaum einer kennt diesen Vorfahren Friedrichs des Großen. Dabei ist er keineswegs unvergessen. Sein Name steckt im Ortsnamen Joachimsthal. In der Burg Grimnitz gründete er 1601 eine Glashütte, die Schmuckglas für den Berliner Hof herstellte. Und wer hat's gemacht? Böhmische Glasbläser. Kurz danach gründete er gleich nebenan ein Fürstenschule. Tief in den Wäldern sollte der Nachwuchs aus hohem Hause frei von Ablenkungen eine ordentliche Ausbildung erhalten. Der Kurfürst wollte es nicht mehr den Elternhäusern überlassen - und war deren Blut noch so blau -, die künftige Elite heranzuziehen. Aus der Joachimsthaler Fürstenschul, die bereits 1636 ihren Sitz nach Berlin verlegte, ging später das Joachimsthaler Gymnasium hervor. Es blieb bis ins 20. Jahrhundert eine Bildungsanstalt für die besseren Kreise.
Dann kam der Dreißigjährige Krieg, von dem am Anfang niemand glaubte, dass er fast ein Menschenalter (nach damaliger Lebenserwartung) dauern würde. In Brandenburg glaubte man, sich heraushalten zu können. So wurde es Durchzugsgebiet für die Katholischen aus dem Süden und die Protestantischen aus dem Norden. Was es heißt, wenn ungebetene Fremde durch das Land ziehen, die sich nicht zu benehmen wissen, die plündern, brandschatzen und vergewaltigen, mussten die einfachen Brandenburger schmerzlich erleben. Nur eine größere Schlacht hat es in Brandenburg gegeben: die bei Wittstock im Jahr 1636. Aber das Land litt während des gesamten Krieges grausam. Später hat man festgestellt, dass damals mehr Menschen durch Hunger, Krankheit und Seuchen ums Leben kam, als durch direkte Kampfhandlungen. Ergo: Nicht kämpfen ist auch nicht immer die Lösung. Am Ende des Krieges war das Land so gut wie entvölkert. Ein riesiger Flüchtlingsstrom aus Frankreich rettete Brandenburg in der Not.
Lesen Sie in der nächsten Abteilung was geschieht, wenn Gäste ihre eigene Kultur mitbringen.
Fontanes "Herr von Ribbeck…" - ein Plagiat?
Vor 125 Jahren wurde Fontanes Gedicht erstmals veröffentlicht
Es ist Birnenzeit. Und hier im Brandenburgischen, wo
allenthalben Theodor Fontane herumgeistert, mag manchem die Zeile durch den
Kopf gehen, die vom Herrn Ribbeck in Ribbeck im Havelland handelt und in dessen
Garten ein Birnbaum stand. Vor genau 125 Jahren wurde es erstmals
veröffentlicht. Das war im Jahr 1889. In jenem Jahr wurde der Eiffelturm
fertiggestellt, der Kilimandscharo zum ersten Mal bestiegen und der US-Staat
New York beschließt die Einführung des Elektrischen Stuhls. Da hört sich doch
die lyrische Nachricht aus dem Havelland geradezu idyllisch an. Als eine solche
Idylle haben es wohl Generationen von Lehrern empfunden, die ihren Schülern auftrugen,
das Fontane-Gedicht auswendig zu lernen. Ältere Semester können es heute noch
von der ersten bis zur letzten Zeile aufsagen.
Was steckt aber hinder Gedicht? Ist es wirklich ein Ausflug
in die heile Welt des Havellandes, das damals längt noch nicht so melioriert
war wie heute und wo es nur wenige Wege durch das weithin sumpfige Gelände gab?
Beginnen wir mit den Ribbecks. Sie sind eine uralte märkische Adelsfamilie, die
mit den Askaniern ins Land kamen, als diese die heutige Mark Brandenburg den
slawischen Siedlern entrissen. Der von Theodor Fontane beschriebene gutherzige
„Herr von Ribbeck“ hieß mit Vornamen Hans-Georg und lebte von 1689 bis 1759. Er
war als großzügiger und kinderfreundlicher Mensch bekannt – unter damaligen
Gutsherren sicher seltene Eigenschaften.
Daher ging die Geschichte in die Sagenwelt des Havellandes
ein und wurde bereits vor Theodor Fontane beschrieben – auch in Gedichtform.
Warum aber ausgerechnet die Birne, um die Großherzigkeit des Adligen zu
würdigen? In der Mitte des 18. Jahrhunderts herrschte in Mitteleuropa eine
„kleine Eiszeit“. Zum Beispiel war der Winter von 1739 auf 1740 – dem Jahr des
Regierungsantritts von Friedrich II. - extrem streng. Er errichte Temperaturen
von bis zu –39 Grad und dauerte bis in den Mai hinein. Damals gingen zahlreiche
Obstsorten zugrunde, der Weinanbau in Brandenburg brach ein, auch viele
Birnensorten überlebten die Kälte nicht. Es war schon etwas Besonderes, wenn
die Ribbecker Kinder ein Birne mit nach Hause bringen konnten, zumal Birnen
nicht nur als wertvolles Obst gegessen wurden, sondern in der traditionellen
Küche eine beliebte Beilage waren.
Historisch belegt ist, dass Hans-Georg von Ribbeck einen
knausrigen Sohn hatte und deshalb darum bat, ihn dereinst mit einer Birne zu
bestatten. Da die von Ribbecks damals ihre Familiengruft in der Dorfkirche
hatten, bleibt fraglich, wie der besagte Birnbaum auf dem Kirchhof wachsen
konnte. Für Fontane bot die Legende Anlass, an die alten preußischen Tugenden
zu erinnern, als sich die Gutsherren noch väterlich für ihre Untergebenen
sorgten zu erinnern. Sie wurden von nachfolgenden Generationen immer mehr dem
Kommerz geopfert. In Ribbeck selbst stehen dafür noch heute symbolisch auf der
einen Seite das Gutshaus ("Schloss" genannt) und auf der anderen, viel
größer in seinen Ausmaßen, die Brennerei, in der tonnenweise Kartoffeln in
Schnaps verwandelt wurden.
So enthält Fontanes Gedicht eine soziale Komponente, die in
anderen Gedicht-Fassungen der Ribbeck-Legende nicht enthalten war. Dass Fontane
nicht der erste war, der die Birnen-Geschichte in Versform brachte, hat
gelegentlich dazu geführt, dass der große Dichte des Plagiats bezichtigt wurde.
Tatsächlich veröffentlichte Hertha von Witzleben, eine Nachfahrin des
historischen Herrn von Ribbeck, ein Gedicht, das mit der Zeile beginnt:
"Zu Ribbeck an der Kirch ein alter Birnbaum steht…" Dieses Gedicht
enthält aber weder den Vater-Sohn-Konflikt, noch die wörtlichen Ansprachen das
alten Ribbeck, die Fontanes Gedicht so lebendig machen. Kein Zweifel: Auch wenn
es bereits ein Birnbaum-Gedicht gab, hat Fontane dennoch ein eigenes Kunstwerk
geschaffen.
Was sagte der alte von Ribbeck zu den Nachbarskindern, wenn
er ihnen Birnen zusteckte? „Junge, wist‘ ne Beer?“ und „Lütt Dirn, kumm man
röwer, ich hebb`ne Birn.“ Ja, das ist Plattdeutsch. Zur Zeit der Handlung von
Fontanes Gedicht, vor rund 250 Jahren also, sprach man im nördlichen und
mittleren Brandenburg einen niederdeutschen Dialekt. Verstärkt wurde das
Norddeutsche noch durch die im 12 und 13.. Jahrhundert eingewanderten Siedler
vom Niederrhein, die neben ihren Fertigkeiten in der Landwirtschaft auch
Spracheigenheiten mitbrachten. Im offiziellen Sprachgebrauch, gerde in der
"feinen Gesellschaft", ging es aber auch zu Zeiten des alten Ribbeck
schon hochdeutsch zu. In Fontanes Gedicht hören wir ihn vor seinem Tode sagen:
„Legt mir eine Birne mit in‘s Grab.“ Inzwischen haben auch die Havelländer –
wie die meisten anderen Märker auch – den Berliner Slang angenommen. Die
Ausstrahlungskraft der riesigen Metropole war allzu mächtig..
![]() |
| Im Deutschen Birnengarten |
Was geschah mit dem Birnbaum aus Fontanes Gedicht. 13 Jahre
nach dessen ersten Veröffentlichung entwurzelt ein Sturm den Baum. Der Stumpf
ist heute noch in der Ribbecker Dorfkirche zu sehen. An seiner Stelle neben dem
Kirchturm steht wiederum ein Birnbaum, der allerdings erst im Jahr 2000
angepflanzt wurde. Aber gleich daneben im Schlosspark stehen 16 weitere
Birnbäume, vereint zum "Deutschen Birnengarten zu Ribbeck". Jedes Bundesland hat dafür einen Baum gestiftet, immer eine typische Sorte aus der Heimatregion.
Herr Dr. Klapper, Sie und Ihre Studenten haben soeben eine Studie vorgelegt, die der Frage nachgeht, warum Zeitungen mit lokaler oder regionaler Verbreitung nicht über Neuerscheinungen von Reiseführern in der eigenen Umgebung schreiben. Wie kamen Sie überhaupt auf dieses Thema?
Bekommen Sie auch ungefragt diese Werbezeitungen in den Briefkasten, die zwischen Anzeigen für Autohäuser und Bestattungsinstitute - da fällt mir ein, man sollte sich einmal mit den inneren Zusammenhängen zwischen diesen beiden Werbetreibenden befassen - also besser: die zwischen Anzeigen für Kosmetik- und Fitness-Studios und ein paar redaktionelle Beiträge aus dem direkten Lebensumfeld ihrer Leser einstreuen? Eines Tages fiel mir auf, dass im Reiseteil einer solchen Zeitung neu erschienene Reiseführer über Island und die Komoren vorgestellt wurden. Nicht aber ein Reiseführer aus dem eigenen Verbreitungsgebiet. Dem sind wir wissenschaftlich nachgegangen.
Aber ist das nicht logisch? Wenn Leute ans Verreisen denken, dann doch lieber an exotische Ziele, als an die Müllkippe vor der Haustür.
Sie denken ja schon wie die Redakteure solcher Zeitungen: Die eigene Umgebung ist niemals eine Reise wert. Aber falsch gedacht. Wir konnten nach Befragung unter 1485 Personen - damit kann unser Ergebnis als repräsentativ gelten - feststellen, dass auf das Jahr gerechnet mehr Ausflüge in die unmittelbare Umgebung unternommen werden, als Reisen in die Karibik. Oder nach Island. Wie Sie wollen.
Aber brauche ich einen Reiseführer für den Ausflug in die Umgebung?
Gegenfrage: Brauchen Sie einen Reisführer für Island oder Jamaica? Sie können auch einfach hinfahren und schauen, was es da so gibt.
Aber hier kenne ich mich aus, da muss ich mir kein Buch unter den Arm klemmen.
Zwei Dinge müssen hierzu angemerkt werden. Erstens sei die Frage gestattet, ob Sie sich wirklich auskennen in einem Bereich von sagen wir 50 Kilometern im Radius um ihren Wohnort. Ich behaupte, da ist noch viel Wissenswertes, das auch Ihnen neu ist. Zweitens - sehen Sie, das ist der Vorteil des regionalen Reiseführers - man muss ihn sich nicht unter den Arm klemmen. Man kann ihn sich zu Weihnachten kaufen oder schenken lassen, dann drei Monate darin lesen, ein paar Lesezeichen setzen und dann - Achtung! - ohne das Buch losfahren. Was Sie an Wissen für einen Ausflug brauchen, kann ihr Gehirn bequem speichern.
Muss man für diese Einsichten Steuergelder ausgeben und eine teure Meinungsumfrage starten?
Hier möchte ich daran erinnern, dass unsere Schule eine private Einrichtung sind, die Steuergelder nur von der Überweisung an das Finanzamt kennt. Aber wenn diese Einsicht so platt und unspektakulär ist, warum dann die Rezensionen über Reiseführer zu Island und die Komoren? Oder wie Sie wollen.
Haben Sie eine Erklärung?
Weil es immer nur einen Platzhirsch geben kann. Entweder die regionale Zeitung oder der regionale Reiseführer. Während Hirsche um ihr Revier mit Hilfe des Geweihs kämpfen, nutzt die Zeitung eine viel fürchterlichere Waffe.
Und die wäre?
Die Ignoranz.
Womit wir am Ende unseres Gesprächs wären. Wir bedanken uns bis zum nächsten Mal bei Dr. Cornelius Klapper von der Medienuniversität in St. Peter Ording.
Brauchen wir Reiseführer von hier?
Interview mit dem Medienwissenschaftler Dr. Claudius Klapper von der renommierten Medienuniversität St. Peter Ording über ausbleibende Reaktionen zu regionalen Reiseführern in regionalen PresseerzeugnissenHerr Dr. Klapper, Sie und Ihre Studenten haben soeben eine Studie vorgelegt, die der Frage nachgeht, warum Zeitungen mit lokaler oder regionaler Verbreitung nicht über Neuerscheinungen von Reiseführern in der eigenen Umgebung schreiben. Wie kamen Sie überhaupt auf dieses Thema?
Bekommen Sie auch ungefragt diese Werbezeitungen in den Briefkasten, die zwischen Anzeigen für Autohäuser und Bestattungsinstitute - da fällt mir ein, man sollte sich einmal mit den inneren Zusammenhängen zwischen diesen beiden Werbetreibenden befassen - also besser: die zwischen Anzeigen für Kosmetik- und Fitness-Studios und ein paar redaktionelle Beiträge aus dem direkten Lebensumfeld ihrer Leser einstreuen? Eines Tages fiel mir auf, dass im Reiseteil einer solchen Zeitung neu erschienene Reiseführer über Island und die Komoren vorgestellt wurden. Nicht aber ein Reiseführer aus dem eigenen Verbreitungsgebiet. Dem sind wir wissenschaftlich nachgegangen.
Aber ist das nicht logisch? Wenn Leute ans Verreisen denken, dann doch lieber an exotische Ziele, als an die Müllkippe vor der Haustür.
Sie denken ja schon wie die Redakteure solcher Zeitungen: Die eigene Umgebung ist niemals eine Reise wert. Aber falsch gedacht. Wir konnten nach Befragung unter 1485 Personen - damit kann unser Ergebnis als repräsentativ gelten - feststellen, dass auf das Jahr gerechnet mehr Ausflüge in die unmittelbare Umgebung unternommen werden, als Reisen in die Karibik. Oder nach Island. Wie Sie wollen.
Aber brauche ich einen Reiseführer für den Ausflug in die Umgebung?
Gegenfrage: Brauchen Sie einen Reisführer für Island oder Jamaica? Sie können auch einfach hinfahren und schauen, was es da so gibt.
Aber hier kenne ich mich aus, da muss ich mir kein Buch unter den Arm klemmen.
Zwei Dinge müssen hierzu angemerkt werden. Erstens sei die Frage gestattet, ob Sie sich wirklich auskennen in einem Bereich von sagen wir 50 Kilometern im Radius um ihren Wohnort. Ich behaupte, da ist noch viel Wissenswertes, das auch Ihnen neu ist. Zweitens - sehen Sie, das ist der Vorteil des regionalen Reiseführers - man muss ihn sich nicht unter den Arm klemmen. Man kann ihn sich zu Weihnachten kaufen oder schenken lassen, dann drei Monate darin lesen, ein paar Lesezeichen setzen und dann - Achtung! - ohne das Buch losfahren. Was Sie an Wissen für einen Ausflug brauchen, kann ihr Gehirn bequem speichern.
Muss man für diese Einsichten Steuergelder ausgeben und eine teure Meinungsumfrage starten?
Hier möchte ich daran erinnern, dass unsere Schule eine private Einrichtung sind, die Steuergelder nur von der Überweisung an das Finanzamt kennt. Aber wenn diese Einsicht so platt und unspektakulär ist, warum dann die Rezensionen über Reiseführer zu Island und die Komoren? Oder wie Sie wollen.
Haben Sie eine Erklärung?
Weil es immer nur einen Platzhirsch geben kann. Entweder die regionale Zeitung oder der regionale Reiseführer. Während Hirsche um ihr Revier mit Hilfe des Geweihs kämpfen, nutzt die Zeitung eine viel fürchterlichere Waffe.
Und die wäre?
Die Ignoranz.
Womit wir am Ende unseres Gesprächs wären. Wir bedanken uns bis zum nächsten Mal bei Dr. Cornelius Klapper von der Medienuniversität in St. Peter Ording.
Sonntag, 29. März 2015
News & Faktencheck März 2015
29. März 2015
Das Havelland im Rhein-Main-Gebiet
Die Hörer des Info-Radios vom Hessischen Rundfunk konnten sich ins Havelland hineinhören. Ein halbe Stunde lang kam die Kunde von einem seltsamen Fluss hoch oben im Nordosten der Republik über die Radios. Da wird über einen bevorstehenden Blütenrausch berichtet, einer, der schon einmal da war (ich), erzählt von seinen Erfahrungen, ein Kenner der Natur lässt tief blicken. Sogar ein Gedicht wird vorgetragen. Endlich mal nicht Amazonas oder Orinoko. Glückwunsch zu soviel gelungener Exotik!
28. März 2015
Kein Verständnis
Seit 1863 standen die Kulissenbilder mit Darstellungen der Passion vom Heiligen Grab in einer Abstellkammer des Klosters Neuzelle. Zwei von ihnen sind seit dem 21. März wieder ins rechte Licht gerückt und wie in einem Himmlischen Theater in einem neuen Museum auf dem Klostergelände zu sehen. Also nichts wie hin. Es sollte am Sonnabend nach der Eröffnung sein. Dass die die RB 11 nur bis Eisenhüttenstadt fuhr und sich ein Ersatzverkehr mit Bussen anschloss, war hinzunehmen, weil nicht außergewöhnlich. In der Tat außergewöhnlich war allerdings ein roter Zettel an der Pforte zur großen Stiftskirche. Darauf bedankte sich jemand für mein Verständnis, dass das "märksiche Barockwunder" eben mal geschlossen ist. Keiner der Besucher, die dort an der Pforte rüttelten, wolle allerdings Verständnis dafür aufbringen, dass a) an einem Sonnabend und b) wenige Tage nach Eröffnung des neues Museums die Kirche so gereinigt wird, dass nicht einmal ein kurzer Blick möglich ist.
24. März 2015
Am Telefon
15.20 Uhr kam der Anruf vom Hessischen Rundfunk und los ging es mit einer Frage- Antwort-Runde über 20 Minuten zum Thema "Havelland". Wer einen Reiseführer schreibt sollte Ahnung haben. Mein Geheimtipp? Brandenburg an der Havel als Touristenstadt. Ich fand mich mutig. Sendung demnächst.
18. März 2015
Da geht noch was!
Heute steht die 2. Auflage unseres Wegbegleiters durch das Havelland auf der amazon-Bestseller-Liste auf Platz 4.075, in der Kategorie "Reiseführer/ Deutschland" auf dem Verkaufsrang 12 und in der Katgegorie "Sport allgemein" auf Rang 84. Das ist schon Bundesliga! Vergleiche siehe weiter unten im Faktencheck.
17. März 2015
Was sagt man dazu?
Heute steht die 2. Auflage unseres Wegbegleiters durch das Havelland in der Kategorie Reiseführer/ Deutschland auf dem Verkaufsrang 33. Das ist schon Bundesliga!
| BUGA-Standort Premnitz |
14. März 2015
"Eine Frage der Moral"
Beim Lesen in der Reisebeilage der Berliner Zeitung kam mir noch einmal eine Zahl in den Sinn, die während des Seminars am 6. März über Tourismusmobilität (siehe dazu weiter unten) zwischen Berlin und Brandenburg genannt wurde: 10 von 100 Berlinern fahren nie nach Brandenburg. Der Zeitungsartikel in der Wochenendausgabe vom 14./15. 3. hatte die Überschrift "Eine Frage der Moral" und ließ Experten darüber zu Wort kommen, ob man Länder bereisen soll, die von einem "autoritären Regime" geführt werden. Als Beispiele werden genannt China, Vietnam, die Emirate, Marokko, Kuba, Iran, Myanmar, Nordkorea und Simbabwe. Nicht genannt werden die Türkei, die Dominikanische Republik, Syrien, Libyen, Irak, Afghanistan, Nigeria, Angola, Sudan, Saudi Arabien. Also alles in Ordnung? Ob die Anwendung der Todesstrafe bereits ein Ausschlusskriterium ist, ging aus dem Artikel nicht hervor. Folglich sah der Verfasser wohl bei Reisen in die USA keine Probleme. Und bei Griechenlad ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis es von einigen Reisejournalisten im Reich des Bösen angesiedelt wird.
Nun aber zu den Brandenburg-Totalverweigerern. Könnte es sein, dass zumindest ein Teil von ihnen politisch-moralische Erwägungen antreiben? Gilt nicht Brandenburg vielen (West)-Deutschen als die "kleine DDR"? Wird nicht Brandenburg von einer rot-tiefroten Koalition autoritär verwaltet? Besteht nicht auch hier (wie in der Berliner Zeitung angeführt) die Gefahr, dass der Sonnenstuhl neben einer Gefängnismauer zu stehen kommt? Verweigert hier nicht ein ehemaliger Ministerpräsident den Boykott von Russkij Standard? Vielleicht haben die 10 Prozent Berliner die Zeichen der Zeit erkannt, für die es eine Frage der Moral ist, um Brandenburg einen Bogen zu machen. Die Berliner Zeitung weist den Weg durch das Gewirr von Gut und Böse. So einfach kann die Welt sein.

Der brandenburgische Landtag: kein demokratischer Abgeordneter weit und breit zu sehen
12. März 2015
"Die 9 als Billignummer"
Während in Leipzig die Buchmesse zum Branchentreff ruft, hebt im Feuilleton des "Neuen Deutschland" jemand zum Schlag gegen die Erbsenzähler auf dem Buchmarkt aus: "Seit einiger Zeit hat der Glaube an die Billignummer 9 eine Branche erfasst, die dagegen immun schien... Irgendwann fiel es einem noch unbekannten Erfinder ein, Bücher für einen Preis zu verkaufen, der mit zwei Neunen endet. Das machte Schule..." Gerade die großen Verlage sind es, die ihre Produkte mit einem Preis versehen, der äußerlich dem des Benzins an der Tankstelle, dem Joghurtbecher im Kühlregal und der Zahlbürste im Drogeriemarkt zum Verwechseln ähnlich sieht. Der Witz ist: Die Verwechslungsgefahr ist kein dummer Zufall, sondern bewusstes Kalkül. Da Bücher immer häufiger an der Tankstelle und in der Grabbelkiste der Supermärkte angeboten werden, rückt auch die Preisbildung näher aneinander. Dorthin, wo es kuschlig wird. "Kann ich mir Fifty Shades of Grey noch leisten oder nehm ich doch lieber ein Kilo Bananen?"
Bei unseren Neuerscheinungen standen wir auch vor der Frage: Wie bisher 14,80 oder - dem Trend folgend - 14,99 Euro. Das sind bei 1500 verkauften Exemplaren nach Abzug der Mehrwertsteuer und der üblichen Händlerprovision 144 Euro mehr in der Kasse. Rund gerechnet. Und was steht diesem Gewinn gegenüber? Ein Verlust an Glaubwürdigkeit der Ware Buch. Das Signal des Verlegers, die Erbsenzählerei über alles zu stellen, wenn es sein muss, auch über Inhalte. Letztlich Sogar die Missachtung der Privilegien, die das Kulturgut Buch gerade noch genießen: die Preisbindung und der verminderte Mehrwertsteuersatz. In den ....,99 wird der vorauseilende Gehorsam gegenüber den Kaufgewohnheiten bei Aldi, Lidl, Penny & Co. deutlich.
| Alles aus einer Hand: Klamotten, Bücher und vieles mehr |
11. März 2015
Verlagsarbeit ist Schwerstarbeit
„Ihr habt aber viele Pakete zur Zeit“, meinte unsere eifrige Paket-Postbotin dieser Tage, als sie wieder einmal ihre Sackkarre so voll gepackt hatte, dass sie kaum über den Paketberg hinwegschauen konnte. Stimmt. Aber bevor wir viel versenden können, müssen wir selbst erst einmal anpacken und sie per Hand-zu-Hand-Kette vom LKW in den Keller holen. Innerhalb einer einzigen Wochen waren das die 2. Auflage von „Havelland. Ein Wegbegleiter“, die Neuauflage von „Potsdamer Bäume“ und die Havelland-Ausgabe der „Ferienzeitung“. Mit einem großen Schwall kommt die Papierflut ins Haus und tröpfelweise verlässt sie es wieder. Damit schwindet dann auch der Muskelkater.
7. März 2015
Unterwegs auf der ITB
Die Internationale Tourismusbörse war auch in diesem Jahr eine gute Möglichkeit, alte Bekannte auch ohne Terminvereinbarung zu treffen. Vier Mitarbeiter von Terra Press waren an zwei Tagen vor allem auf dem Brandenburg-Stand in Halle 11 der Reisemesse unterwegs. Freudig war das Wiedersehen vor allem mit jenen Touristikern, die man durch die wilden Anfangsjahre begleiten durfte und die noch nach über zwei Jahrzehnten am Ball sind. Es wäre glatt uncharmant, hier Namen zu nennen, denn es handelt sich zum großen Teil um Frauen. Erwähnt seien jene, mit denen - mehr oder weniger ausführlich - über den Fortgang von Projekten gesprochen werden konnte: Frau Rußig aus dem Seenland Oder-Spree, Herr Kraus aus dem Ruppiner Seenland, Herr Neumann aus der Prignitz, Frau Faber-Schmidt von Kulturland Brandenburg… Die ITB bot aber auch Gelegenheit, neue Akteure kennenzulernen. So haben wir Herrn Menzel viel Erfolg bei der touristischen Vermarktung der Reiseregion Fläming gewünscht.
Beim Betreten des Brandenburg-Standes kam mir ein Werbespruch in den Sinn, der abgewandelt lautet: Wir stecken nichts in die Werbung, aber alles in die… ja, was denn? Ich erinnerte mich an Brandenburg-Präsentationen, da hatte jedes Reisegebiet einen eigenen Stand. Sie überschütteten die Besucher mit einer Flut von Eindrücken für Auge, Ohr, Nase, Zunge. Mittendrin Potsdam und sein Weltkulturerbe. Diesmal standen die freundlichen Damen und Herren an kleinen Countern und vertrauten tapfer der Zugkraft des Namens ihrer Heimatregion. Ich bin mir sicher, dass diese Bescheidenheit dem Interesse der Besucher am Reiseziel Brandenburg keinen Abbruch getan hat. Als alter Bekannter konnte man sich Understatement leisten.
ITB mit Aha-Effekten
Die ITB ist nicht nur Messe, sondern auch Informationsbörse, und wenn es optimal läuft des Informationsaustauschs. Die u.a. auf Quellmarktanalysen spezialisierte Consultingagentur dwif stellt am 6. 3. ihre Abschluss-Studie zur Tourismusmobilität der Berliner Bevölkerung nach Brandenburg vor. Eine solche Untersuchung wird gemeinsam von der Tourismus Marketing Brandenburg und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg in Auftrag gegeben. Sie trägt der Tatsache Rechnung, dass für Brandenburg die Metropole Berlin nun einmal der Quellmarkt Nr. 1 ist. Mit Abstand. Die Consulter sollten klären, mit welchen Verkehrsmitteln die Berliner ins Brandenburgische kommen, welche Rolle dabei der ÖPNV spielt und wo noch Steigerungspotenziale gesehen werden.
Aha-Effkt Nr. 1: Man hat es ja geahnt, aber jetzt hat es die Erhebung nach fast 1500 Telefonbefragungen bestätigt: Die Berliner sind die Auto-Muffel der Nation. Während im bundesdeutschen Durchschnitt gerade einmal 18% der Haushalte kein Auto besitzen, sind es in Berlin über 40%. Ist es dann noch eine Überraschung, dass es vor allem die jungen Berliner sind, die auf ein Auto verzichten? Bevor wir aber der Jugend ein umweltbewusstes, auf Nachhaltigkeit orientiertes Leben bescheinigen, sollten wir daran erinnern, dass Berlin über ein Nahverkehrssystem verfügt, das selbst weltweit nur von wenigen Städten getoppt wird. Mir fällt zum Beispiel keine europäische Hauptstadt ein, in der die Regionalzüge mitten durch die City fahren und deren Schienenwege sich an einem Punkt kreuzen. Dazu ein eng vernetztes System von S-, U- und Straßenbahnen sowie Bussen. Kaum eine S-oder U-Bahn-Station, die nicht auch Umsteigemöglichkeiten bietet. Da fällt es leicht, sie vernünftig zu verhalten und auf das Auto zu verzichten. Und wer nicht ganz verzichten will, der vermeidet mittels Car-Sharing die Anschaffung eines eigenen Wagens. Fazit der Studie: Die Berliner sind ÖPNV-affin.
Aha-Effekt Nr. 2: Bei den Befragungen haben 9 von 10 Berlinern eingeräumt, Ausflüge und Reisen nach Brandenburg zu unternehmen. Die Gründe der Brandenburg-Muffel für ihre Abstinenz waren ebenso vielfältig wie nicht einleuchtend. Immerhin finden fast ein Drittel aller Tagesfahrten von Berlin nach Brandenburg mit Verkehrsmitteln des ÖPNV statt. Leider differenziert diese Studie nicht zwischen der näheren Umgebung Berlins (dem "Speckgürtel", der teilweise sogar im 20-Minuten-Takt mit der S-Bahn erreichbar ist) und den ferneren Zielen, die ja gut und gerne 200 km entfernt sein können (und wohin nur alle zwei Stunden ein Zug fährt - wie in die uckermärkische Hauptstadt Prenzlau). So erzeugen bei mir zwei Zahlen Schulterzucken: Für Fahrten nach Potsdam werden der Studie zufolge öffentliche Verkehrsmittel zu 48% genutzt, aber in die Lausitz (einschl. Spreewald, Elbe-Elster-Land du Lausitzer Seenland) 55%. Kaum zu glauben, wenn man einerseits die vielfache Anbindung Potsdams an den Berliner ÖPNV sowie die schwierige Parksituation in der Landeshauptstadt bedenkt und andererseits das dünne ÖPNV-Angebot in Südbrandenburg vor Augen hat.
Aha-Effekt Nr. 3: Gefragt wurde auch nach dem Informationsverhalten vor und während der Reise. Die Zahlen sind für einen Verlag, der vorwiegend von Printmedien lebt, ermutigend. Zwar ist im Vorfeld des Brandenburg-Aufenthaltes das Internet mit 51% die wichtigste Informationsquelle, aber die Medien TV, Radio, Zeitschrift, Zeitung, Buch (Reiseliteratur und -führer für sich allein 16%) bringen es zusammen auf 55%. Die Berichte von Verwandten und Freunden machen dabei 41% aus. Materialien der Zielregion fallen mit 11% nur gering ins Gewicht. Während des Aufenthaltes ändern sich diese Zahlen deutlich: Das Internet sackt auf 14% und die Broschüren und Flyer der örtlichen Touristinformationen beherrschen die Szene mit 39%. Reisführer halten immer noch tapfer bei 11%. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Produkte aus dem Hause Terra Press vor allem bei der Reiseplanung eine Rolle spielen.
Aha-Affekt Nr. 4: Traue nur der Statistik, die du selbst… Welche Vorteile bietet der ÖPNV für den Ausflug nach Brandenburg? Thema Schnelligkeit. Allgemein wird die Geschwindigkeit des öffentlichen Verkehrs gegenüber dem Individualverkehr unterschätzt - das heißt, die Fahrzeiten werden - so die Studie - bis zu 45% höher geschätzt, als sie tatsächlich sind. Aber was heißt das schon, wenn der Zug nur alle zwei Stunden fährt? Die damit erforderliche Zeitplanung ist eine nicht zu unterschätzende Unbequemlichkeit. Bei diesem Beispiel zeigt sich die Problematik, Brandenburg als eine statische Größe zu bewerten. Je näher ein Ziel an Berlin ist und damit je höher die Taktfrequenz im ÖPNV, umso höher ist die zu erreichende Geschwindigkeit. Und umgekehrt. Dass der ÖPNV dennoch kräftig unterschätzt wird, ist allerdings eine Tatsache. Da betrifft die Reisenden ebenso wie die Gastgeber. Auf diesem Gebiet geschieht derzeit allerdings mehr, als die Studie herausgefunden hat.
Aha-Effekt Nr. 5: Ich hab bei der Präsentation der Studie über die Tourismusmobilität der Berliner in Richtung Brandenburg viele interessante und manchmal auch verblüffende Zahlen gehört. Daraus konkrete Schlussfolgerungen zu ziehen, war offenbar nicht Aufgabe der Studie. Dass vorhandene Potenziale nicht ausgeschöpft sind, ist ein abschließender Hinweis, der keinen Wagemut erfordert. Im Saal saßen Vertreter aus den Reisegebieten. Es wäre interessant gewesen zu hören, welche Potenziale bei ihnen noch schlummern. Vor allem aber, wie sie gehoben werden können. Auf die Organisation des ÖPNV in ihrer Region haben sie jedenfalls so gut wie keinen Einfluss. Überhaupt: Welche Rolle spielt der Tourismus bei der Bestellung der Verkehre in Berlin und Brandenburg? Wann ist eine Buslinie im Land touristisch relevant (meiner Meinung nach muss sie an allen Tagen in der Woche mindestens im 2-Stunden-Takt verkehren, davon gibt es viel)? Wie entwickelt sich die Fahrradmitnahme? Wie rechnen sich die Touristenlinien und wie können sie finanziell gestemmt werden? Das größte vorhandene Potenzial wurde nur am Rande erwähnt: die einheitliche Verkehrsregion im Quell- und Zielgebiet. Das gibt es so nicht noch einmal in Deutschland. Da sind Tarifangebote möglich wie das Berlin-Brandenburg-Ticket, das 65+-Abo, die Tageskarte für das Gesamtgebiet. Das sind riesige Flächen, die da abgedeckt werden, mit einem gewaltigen Mobilitätsangebot. Dazu gibt es Initiativen wie die freie Fahrt mit der Kurkarte rund um Bad Saarow. Oder das kostenlose ABC-Ticket für Gäste in Mitgliedshotels des Tourismusverbandes Potsdam. Damit kommt man bis Berlin. Fazit: Erbsenzählerei kann Spaß machen, muss aber letztlich zu einem schmackhaften Gericht führen.
amazon.de - Verkaufsränge von Brandenburg-Reiseführern am 24. 3. 2015
| EDITION TERRA | ||
| "Uckermark. EinWegbegleiter" | 229.084 | |
| "Havelland. Ein Wegbegleiter" | 12.380 | |
| "Havelland. Ein Wegbegleiter" Ebook | 161.760 | |
| "Barnim. Ein Wegbegleiter" | 245.796 | |
| andere Verlage | ||
| Brandenburg - Reisetaschenbuch | 32.138 | |
| Brandenburg/ Potsdam, Havelland, Spreewald | 134.454 | |
| Brandenburg - Unterwegs zwischen Elbe und Oder | 334.536 | |
| Brandenburg mit dem Rad | 227.179 |
Mittwoch, 25. März 2015
Leseproben

Spritzkuchen am Originalschauplatz
Warum heißt Ihr Kaffeehaus am Eberswalder Markt "Gustav"?
Antwort: Wir haben es nach dem Konditormeister und Pfefferküchler Gustav Zietemann benannt, der am 1.April 1832 fast an gleicher Stelle seine Konditorei eröffnete.
Frage: Warum so weit zurück in die Vergangenheit?
Antwort: Weil jener Gustav etwas erfunden hat, das so zu Eberswalde gehört wie die Kräne, die Würstchen und der Finowkanal: den Spritzkuchen.
Frage: Was ist das Besondere an dem Eberswalder Spritzkuchen?
Antwort: Im frühen 19. Jahrhundert als, Gustav Louis Zietemann diesen das erste Mal gebacken hat, war das Hightech, was er da ausgetüftelt hat.
Er hat sicher unzählige Versuche unternommen, bis er einen kleinen Kuchen hatte, der Volumen besitzt und trotzdem leicht ist, der in größeren Mengen hergestellt werden kann. Es waren die Anfänge der Konditorei und Kaffeehauskultur in Eberswalde. Der Spritzkuchen war etwas Besonderes, was sich sicher auch nicht jeder leisten konnte.
Wir sind sehr stolz darauf diese Tradition wieder belebt zu haben, mit allem was dazugehört.
Frage: Und ein Vermarkungsgenie war er ja wohl auch.
Antwort: Richtig. Kaum fuhr die Eisenbahn durch Eberswalde, das war seit 1842, lieferte er seine Spritzkuchen zum Bahnhofswirt. Dessen Spritzkuchenburschen“ verkauften seine Erfindung durch die Coupéfenster. Der Ruf “Eeeeberswalder Spriiiitzkuuuuuchen” war bald weithin bekannt. So waren seine Spritzkuchen bald in Berlin und Stettin buchstäblich in aller Munde. Übrigens: Im Bahnhof Eberswalde steht seit 2007 wieder ein Spritzkuchenbursche. Er besteht aus Bronze und wurde vom Eberswalder Bildhauer Eckhard Hermann geschaffen.
Frage: Und im Kaffeehaus "Gustav" kann man den original Spritzkuchen probieren?
Antwort: Selbstverständlich, denn wir sehen uns in der Tradition von Gustav Zietemann. Und dazu gehört auch, dass wir auch unsere Gäste mit anderen Kreationen überraschen.
Frage: Und das wäre?
Antwort: Der "Eberswalder Baumstamm". Wir haben ihn in einem Tortenverzeichnis Zietemanns gefunden und ihn sozusagen neu erdacht. Wir meinen, er ist das neue Süßholz der Stadt, die so viel mit Bäumen und Wald zu tun hat. Es ist ein leichtes, von Hand gerolltes Bisquit, das mit drei verschiedenen Füllungen angeboten wird.
Frage: Sind noch weitere Überraschungen aus dem Vermächtnis von Gustav Zietemann zu erwarten?
Antwort: Auf jeden Fall wollen wir, dass der Name Zietemann in Eberswalde nicht in Vergessenheit gerät. Deshalb haben wir auch Kontakt zu Nachfahren des Konditors aufgenommen. Zur Eröffnung unseres Kaffeehauses im Jahr 2009 hatten wir eine Ur-Ur Enkelin zu Besuch. Ihr Vater war der letzte Inhaber bis 1945. Seit dem pflegen wir mit der Familie einen sehr herzlichen Kontakt. Mal sehen was sich noch so alles ergibt……
Bei den Wasserbüffeln von Sonja Moor
Sonja Moor ist seit 2007 diplomierte Landwirtin. Seit über zehn Jahren betreibt sie mit ihrem Ehemann einen der noch zwei vorhandenen landwirtschaftlichen Betriebe in Hirschfelde nach Demeter-Richtlinien und mit einer sehr speziellen Ausrichtung: Sie züchtet Wasserbüffel und Galloway-Rinder. In einem früheren Leben hat Sonja Moor für das Fernsehen Filme produziert. In jenem Leben war sie erst Österreicherin, dann Schweizerin. In ihrem jetzigen Leben ist sie Brandenburgerin. Sie denkt lokalpatriotisch. Denn sie findet es widersinnig, wenn lebende Tiere über hunderte Kilometer zum Schlachten gefahren werden, um dann als vakuumverpacktes Fleisch wieder zurückzukommen. Und sie will sich nicht damit abfinden, dass sich Viehzucht und Fleischverarbeitung in der Region nicht mehr lohnen. Sie hat viele Ideen und sie engagiert sich, zum Beispiel für die Vermarktung unter dem Label "regional und fair". Unsere Unterhaltung findet im Anschluss an eine Fütterung von zwei Kälbern statt. Das eine ein Galloway- das andere ein Wasserbüffel-Kalb. Beide sind drei Monate alt, und die Umstände wollten es, dass Sonja Moor jetzt die Mutter ersetzen muss.
Frage: Wie viel Liter Milch bekommen die beiden täglich?
Antwort: Neun Liter pro Tag, eine Hälfte am Morgen, die andere am Nachmittag. Und wehe, ich bin unpünktlich...
Frage: Bekommen beide die gleiche Milch? Woher stammt sie?
Antwort: Das Wasserbüffelkalb bekommt eine fettere Milch. Sie stammt vom Ökodorf Brodowin.
Frage: Sind Wasserbüffel nicht tropische Temperaturen gewöhnt, wie vertragen sie die hiesigen Winter?
Antwort: Man kennt Wasserbüffel vor allem von Bildern aus Südostasien. Dabei wird vergessen, dass diese Tiere schon seit über 200 Jahren in Europa heimisch sind. In Norditalien zum Beispiel. Und dort können die Winter auch hart werden. Wasserbüffel vertragen problemlos unsere winterlichen Temperaturen, wenn sie einen großzügigen, mit Stroh eingestreuten Offenstall haben und genug Heu und Trinkwasser.
Frage: Und wie vertragen sich Galloway-Rinder mit Wasserbüffeln?
Antwort: Wie man sieht, leben sie hier auf der Weide sehr friedlich miteinander. Da ihr Futter zum Teil unterschiedlich ist - Wasserbüffel vertragen Schilf und nährstoffärmeres Gras, das für Rinder unverdaulich ist - gibt es keinen Futterneid. Auch die Gefahr unerwünschter Kreuzung gibt es nicht, da die Genetik nicht identisch ist.
Frage: Was hat Sie dazu gebracht, gerade diese Tiere zu züchten?
Antwort: Wer eine Alternative zur Massentierhaltung sucht, stößt irgendwann auf diese anspruchslosen und nicht überzüchteten Arten. Man darf sie nur nicht einseitig als Fleischlieferant sehen. Die Muttertiere können bei uns 15 bis 20 Jahre leben und sich nützlich machen. Das ist im Durchschnitt viermal länger als in einer Mastanlage.
Frage: Und wie machen sich Wasserbüffel nützlich?
Antwort: Vor allem als Landschaftspfleger. Unsere Tiere kommen dort zum Einsatz, wo schützenswerte Habitate, die das Licht suchen, eine offene Landschaft brauchen. Auch das Programm zur Renaturierung von Feuchtgebieten braucht Helfer wie unsere Wasserbüffel. Sie sorgen auf natürliche Weise dafür, dass das Gelände weder verlandet, noch zuwachsen kann, und dass so der Artenreichtum erhalten bleibt. Die Wasserbüffel kümmern sich um die feuchteren Böden, die Galloway-Rinder um die trockneren. Da die Bedingungen überall unterschiedlich sind, müssen wir für jeden Ort genau die richtige Kombination ermitteln.
Frage: Wo kommen sie beispielsweise zum Einsatz?
Antwort: In den Sommermonaten leihen wir unsere Tiere aus. Man kann sie dann auf der Pfaueninsel sehen. Dort "mähen" sie in der Nähe der Meierei feuchte Wiesen, in die jeder Traktor tief einsinken würde. Außerdem erinnern sie an die Zeiten von Königin Luise, als schon damals Wasserbüffel dort grasten. Hier ganz in der Nähe, im Gamengrund, sind sie auf Flächen eingesetzt, die wiedervernässt werden sollen. Hier sorgen sie dafür, dass die Natur bei solchen Eingriffen nicht aus dem Gleichgewicht gerät.
Frage: Sind die Wasserbüffel gefährlich für Spaziergänger, wenn sie ihnen begegnen?
Antwort: Es gibt kaum friedlichere Tiere als Wasserbüffel. Wenn sie auf einen unbekannten Menschen zugehen, dann tun sie es aus Neugier. Ist ihnen der Mensch bekannt, kommen sie häufig zur Begrüßung, wenn sie keinen Kontakt wollen, ziehen sie sich zurück.
Frage: Welchen Nutzen bringen sie noch?
Antwort: Denken Sie an die Milch und den begehrten Mozzarella-Käse.
Frage: Büffelfleisch gehört aber auch zu den besonderen Delikatessen....
Antwort: Durchaus. Durch die Freilandhaltung wachsen die Tiere langsam heran. Das Fleisch wird damit sehr zart und hat eine aromatische Note. Gegenüber dem üblichen Rindfleisch besitzt es nur einen halb so hohen Fett- und Cholesteringehalt, trägt aber doppelt so viele Vitamine und Mineralstoffe. In unserem Hofladen in Hirschfelde kann man Büffelsalami, frische Bratwurst, Bock und Wiener kaufen. Wir bieten auch leckere Fertiggerichte im Weck-Glas an, z.B. Wiener Gulasch, Braten à la Moor, Sauce Bolognese etc. Alle vier Wochen ist frisches Fleisch in den bekannten Teilstücken erhältlich. So kann es jeder selbst ausprobieren. Außerdem liegt hier ein kleines Heft bereit, in dem Rezepte für Büffel-Fleisch gesammelt sind. Die gelingen garantiert.
Frage: Welche Tiere werden geschlachtet?
Antwort: Die Bullen, wenn sie drei Jahre alt sind. Da ein Bulle für zwanzig Kühe ausreicht, entsteht ein gewisser Überschuss. Unausgelastete Bullen würden einige Aufregung verursachen. Die Tiere werden hier auf der Weide geschossen, ohne dass sie Stress erleben. Sie werden dann hier in der Umgebung verarbeitet.
Frage: Muss ich nach Hirschfelde kommen, um das Fleisch kaufen zu können?
Antwort: Die bekannten Bio-Läden in Berlin und im Barnim bieten es auch an. Sie finden sie aufgelistet auf unserer Internet-Seite http://www.sonja-moor-landbau.de.
Frage: Letzte Frage: Finden die Tiere auch unter dem Schnee Futter?
Antwort: Sie finden immer Futter. Gerade das Gras, das einen Frost abbekommen hat, schmeckt besonders süß. Das mögen sie. Ab Dezember verfüttern wir dann das Heu und Stroh, das wir im Sommer geborgen haben.
Frischer Joghurt aus Lobetal
Bei der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal hat die Landwirtschaft eine über 100jährige Tradition. In Lobetal, Dreibrück, Blütenberg und Reichenwalde arbeiten stiftungseigene landwirtschaftliche Betriebe. Gemeinsam bewirtschaften sie 662 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. In ihren Ställen in Lobetal und Dreibrück stehen 210 Milchkühe und 150 weibliche Jungrinder. Das Besondere dieser Agrarbetriebe: Hier arbeiten behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen und alle vier Betriebe sind seit 2008 Mitglied im Naturland-Verband, der sich weltweit für ökologische und nachhaltige Lebensmittelproduktion stark macht. Die Milch aus diesen Betrieben landet frisch in der Molkerei der Hoffnungstaler Werkstätten. Was dort aus ihr entsteht, verrät Bereichsleiter Michael Kuper.
Frage: Was unterscheidet die Lobetaler Bio- Molkerei in von anderen?
Antwort: Unsere modernen Anlagen aus Edelstahl gleichen denen anderer großer Molkereien. Wir unterscheiden uns jedoch wesentlich in der Menge der verarbeiteten Milch, in der ausschließlichen Verarbeitung von Bio-Produkten und dem großen Grad an Handarbeit bei der Verpackung unserer Produkte. Denn diese Arbeit übernehmen bei uns 20 Menschen mit Behinderung. Die fachliche Arbeit der Milchverarbeitung übernehmen 5 Molkereifacharbeiter. Wir sind stolz auf unsere Belegschaft.
Frage: Was entsteht aus der Milch?
Antwort: In unserer Molkerei wird die Lobetaler Milch pasteurisiert und zu Sahne, Joghurt, saurer Sahne, Ayran und dem Lobetaler, einem milden Weichkäse, verarbeitet.
Frage: Wie kommen Ihre Produkte in die Läden?
Antwort: Der Bio-Fachhandel beliefert die Naturkostläden und der traditionelle Großhandel Märkte wie Edeka, Reichelt oder REWE. Somit können in der gesamten Region Berlin / Brandenburg von unseren Kunden gefunden werden. Das macht unseren Anspruch an Regionalität und Nachhaltigkeit aus: Anspruchsvolle Beschäftigung von Menschen mit Behinderung aus der ländlichen Region, geringe Transportwege für Milch und Produkt, Nähe zum Kunden.
Frage: Am bekanntesten ist ja wohl der Naturjoghurt aus Lobetal?
Antwort: Ja, den der Naturjoghurt ist für mich das leckerste und ursprünglichste Produkt. Je weniger Zusätze in einem Produkt sind, desto besser. Der ist cremig-mild und schmeckt leicht säuerlich. Wir bieten ihn mit 3,7 % und 1,5 % Fett und sowohl im 150-g- als auch im 500-g-Becher an.
Frage: Und wenn jemand den Morgenjoghurt lieber mit Früchten mag?
Antwort: Dann kann er bei uns zwischen verschiedenen Geschmacksrichtungen wählen. Am liebsten kaufen die Kunden unseren Mango-Vanille-Joghurt. Wer sich für Erdbeere und schwarze Johannisbeere entscheidet, kann sicher sein, dass auch hier nur Früchte aus Norddeutschland verarbeitet werden.
Frage: Und welcher Geschmack steckt im "Naturschutzbecher"?Antwort: Im "Naturschutzbecher" befindet sich unser Naturjoghurt mit 3,7% Fettgehalt. Den Becher stellen wir in den Dienst des Naturschutzes: Ab Januar 2014 empfehlen wir monatlich auf der Platine einen Ausflug in den Naturpark Barnim zu einem speziellen Naturschutzprojekt. Eine genauere Beschreibung dazu finden die Kunden dann auf www. naturschutzbecher.de. Konkrete Naturschutzprojekte haben wir mit unseren Bechern schon unterstützt: eine Waldweide mit wilden Pferden bei Hobrechtsfelde, Fischtreppen am Nonnenfließ der der Moorschutz im Rabenluch. Übrigens ist der Becher selbst ein Stück Naturschutz. Er besteht aus 50 Prozent natürlich vorkommendem Talkum. Somit wird nur die Hälfte des Kunststoffs verbraucht, der in herkömmlichen Bechern steckt. Das heißt, 30% weniger CO²-Ausstoß.
Frage: Gibt es noch Handarbeit in der Molkerei?
Antwort: Während die Joghurtproduktion von der Annahme der Rohmilch bis zum Versiegeln der gefüllten Becher in einem geschlossenen System erfolgt, ist in unserer Käserei jeder Arbeitsschritt Handarbeit. Unsere Mitarbeiter bringen die
jungen Käse ins Salzbad und in die Reiferäume, pflegen und verpacken sie. Das erfordert nicht nur Kraft, sondern auch Fingerspitzengefühl.
Frage: Experimentieren Sie auch mit neuen Produkten?
Antwort: Für viele mag Ayran etwas Neues sein. Das ist ein Getränk aus Joghurt, Wasser und Salz. In der Türkei wird es traditionell einem Gast gereicht. Es kurbelt den Stoffwechsel an und bietet dem Körper wichtige Nährstoffe. Außerdem ist es außerordentlich erfrischend. Ab 2014 werden wir im Frühjahr und Herbst jeweils für kurze Zeit zwei Saisonfrüchte auf den Markt bringen. Für das Frühjahr denken wir an eine Aprikose, im Herbst wird es etwas mit Nüssen sein. Mal sehen, wir probieren noch!
Frage: Kann man die Lobetaler Bio-Produkte direkt in der Molkerei kaufen?
Antwort: In der Nähe des Bahnhofes von Biesenthal steht unsere Lobetaler Bio-Molkerei mit ihrem Milchladen, der durch große Scheiben Einblick in die Produktion gibt. Hier sind all unsere Produkte frisch abgefüllt, an- oder aufgeschnitten zu haben. Etwas Besonderes ist unsere „Joghurt-Bar“, wo man die nur hier erhältliche „Mischphase“ kaufen kann. Diese ist der Teil Joghurt, der bei einer Fruchtumstellung „abfällt“. Hier kann man sich auch unsere nicht homogenisierte Lobetaler Frischmilch zapfen.
Denkwürdigkeiten
1. Havelland
Wir schreiben das Jahr 1741. Im fernen Schlesien eilt der junge Preußenkönig Friedrich II. von Sieg zu Sieg, während mitten in der Mark Brandenburg, nur einen Tagesritt von Berlin entfernt, Bauern schrecklich unter militärischer Besetzung leiden. Es sind aber keine feindlichen Heere, die zwischen Reckahn und Göttin alles verwüsten, sondern die eigenen preußischen Truppen. Bis zu 42.000 Mann wurden in ein Heerlager zusammengetrieben, um den in Schlesien kämpfenden Truppen den Rücken freizuhalten gegen Angriffe aus Sachsen (die Grenze war sehr nahe), Hannover oder Frankreich. Später hat man errechnet, was solch eine Truppenzusammenballung täglich (!) mindestens benötigt: 80.000 Pfund Brot, 40 Tonnen Gemüse, 10 bis 20 Rinder, 40.000 Liter Bier oder Wein und für die 16.500 Pferde wurden 36 Tonnen Futter benötigt. Und die Bauern der umliegenden Dörfer hatten das aufzubringen. Doch damit nicht genug die sich langweilenden Soldaten verwüsteten Felder, zerstörten Schutzmauern gegen den Flugsand, vernichteten Wasseranlagen für Mühlen, verursachten Feuersbrünste. Schließlich brach im Lager auch noch die Ruhr aus. Das Schloss derer von Rochow in Reckahn wurde als Kommandozentrale konfisziert. Oberster Feldherr des Heerlagers war Hans Heinrich Graf von Katte, der Vater des 1730 hingerichteten Freundes von Friedrich II. Er starb auf Schloss Reckahn am 31. Mai 1741. Die Bemühungen von Friedrich Wilhelm von Rochow, dem damalige Herr von Reckahn, um Entschädigung blieben weitgehend fruchtlos. Jahrzehnte hat es gedauert, bis die Wunden rund um Reckahn geheilt waren. Eine 1790 errichtete Pyramide soll an diesen Krieg im eigenen Land erinnern. Ein militärischer Traditionsverband nutzt die Pyramide allerdings auch, um an die Gründung des Regiments der Schwarzen Husaren während dieses Feldlagers zu erinnern.
Zwei legendäre Brandenburger Herren
Johann Friedrich Andreas „Fritze“ Bollmann und Dr. Müller-Lüdenscheid sind zwei Herren, denen man bei einem Besuch in Brandenburg an der Havel unbedingt seine Aufwartung machen muss. Dabei sind beide noch nicht einmal in Brandenburg an der Havel geboren. Der eine kam in Magdeburg zur Welt, der andere im Haus eines Humoristen am Starnberger See. Was verbindet beide mit Brandenburg an der Havel?
Herr Dr. Müller-Lüdenscheid, Fernsehzuschauern allgemein bekannt, wäre niemals in einer Hotelbadewanne vor laufender Kamera in einen intellektuellen Disput mit einem etwas schusseligen Herren über den Verbleib einer Quietscheente verwickelt worden, wäre nicht am 10. 11. 1923 in Brandenburg an der Havel ein Bernhard-Victor Christoph Carl von Bülow – er selbst nannte sich später kurz „Loriot“ – geboren worden. Dieser meist auf einem Sofa sitzende und dabei schelmisch lächelnde Mann hat seinen Lebenssinn darin gesehen, anderen, durchaus ernsthafteren Männern mit Knollennase und einem Mops an der Leine per Zeichenstift zum Leben zu verhelfen. Nicht jeder mag verstehen, dass die große Mehrheit der Deutschen das noch immer sehr komisch findet. Die Verbindung der Stadt zu Loriot – seit 1993 ist er Ehrenbürger von Brandenburg an der Havel – ist auch nach 2011 nicht abgerissen, als er sich aufmachte, den Olymp der Komiker zum Lachen zu bringen.
Herr Dr. Müller-Lüdenscheid jedenfalls sitzt nun aus Holz geschnitzt auf einer Bank gegenüber dem Brandenburger Roland und wacht darüber, dass der nicht unaufgefordert in seine Badewanne steigt. Wer mag, kann sich daneben setzen und Herrn Dr. Müller-Lüdenscheid beim Aufpassen helfen.
Richtig traurig erginges Fritze Bollmann, den Brandenburger Barbier und unfreiwilligen Helden einer Moritat, die vor dem Ersten Weltkrieg ein von Leierkastenmännern gern gesungener Gassenhauer war. Im Gegensatz zu Herrn Dr. Müller-Lüdenscheid hat es Bollmann wirklich gegeben. Er wurde 1852 geboren und starb verarmt 1901 im Brandenburger Städtischen Krankenhaus. Eigentlich war Bollmann ein ehrenwerter Herr: Er heiratete eine Frau mit einem Kind und beide fügten dem Eheglück zehn weitere hinzu. Er musste hart arbeiten und genehmigte sich, wenn es zu schwer für ihn wurde, einen Tropfen zum Trost. Wahr ist, dass er im Zustand verminderten Gleichgewichts beim Angeln ins Wasser fiel. Was aber Brandenburger Gelegenheitsdichter daraus machten, war schlicht eine Gemeinheit. Als die von Kindern gern gehänselte Witzfigur, wurde er im Spottlied drastisch auch noch in den Tod geschickt. Kinder sollen die ersten Strophen gereimt und ihm hinterhergerufen haben, und der Kaufmann Friedrich Hollerbaum soll geschäftstüchtig Postkarten mit dem von ihm erweiterten Text verkauft haben. Die zweite Strophe handelt auf dem nahen Beetzsee und lautet:
Fritze Bollmann wollte angeln,
doch die Angel fiel ihm rin,
Fritze wollt se’ wieder langen,
doch da fiel er selber rin
Wie war das eigentlich damals......auf der B 5
Die heutige Bundesstraße B5 führt von der dänischen Grenze im Norden Schleswig-Holsteins durch Hamburg und Berlin zur polnischen Grenze nach Frankfurt (Oder). In den Jahren 1949 bis 1982 war sie Transitstrecke zwischen West-Berlin nach Hamburg auf dem Gebiet der DDR. Rund 50 Kilometer der Strecke führen durch das Havelland: vom Grenzübergang Berlin-Staaken bis kurz hinter Friesack. An die heute vorhandenen Schnellfahrstrecken und Ortsumgehungen war damals nicht zu denken. So erreichte die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der engen Straße kaum mehr als 60 km/h. Nicht viel langsamer waren die Fahrradfahrer. Dann da die B5 die einzige Transit-Landstraße war, konnte man in der warmen Jahreszeit Radler beobachten, die die 220 Kilometer zwischen Berlin und Hamburg zwischen Sonnenauf- und -untergang schaffen mussten. Als Ende 1982 die Autobahnverbindungen zwischen Berlin und Hamburg für den Verkehr freigegeben wurde, war es Schluss mit den Transit-Radfahrten und mancher Ort im Havelland hatte wieder seine Ruhe.
Wie war das mit der Schmapsbrennerei?
Nur wenige Jahre nachdem 1817 Johann Pistorius einen dreistufigen Brennapparat erfunden hatte, mit dem man in großen Mengen Kartoffeln in Branntwein verwandeln konnte, war Preußen Weltmarktführer in der Spritherstellung. Wie auch in Ribbeck entstanden überall im Lande Schnapsfabriken. 15 Jahre nach der grandiosen Erfindung gab es in der Provinz Brandenburg bereits 1.400 Brennereien. Aus Gutsherren wurden Fabrikanten und aus der Arme-Leute-Kartoffel wurde ein begehrter Rohstoff. Das erst war der Zeitpunkt, als die Kartoffel, von Friedrich dem Großen noch mühevoll dem Volk schmackhaft gemacht, ihren Siegeszug über die Äcker der Mark Brandenburg antrat. Und noch ein Nebeneffekt trat ein: Mit den Rückständen der Spritbrennerei konnten im großen Stil Schweine gemästet werden. Womit in Berlin das Schnitzel bald wohlfeil zu haben war.
Abonnieren
Posts (Atom)



